KuFa Kino: Geschichten vom Kübelkind von Ula Stöckl und Edgar Reitz

HILDESHEIM. Das Kübelkind ist eine anarchisch-ausser-soziale Kunstfigur, die unfreiwillig gegen die verengten gesellschaftlichen Verhältnisse kämpft. Sie erwächst aus einer Plazenta, entsorgt in einer Krankenhausmülltonne. Stets im roten Kleid und mit roten Strümpfen entdeckt sie die Welt um sie herum. Sie lernt neugierig, was von ihr erwartet wird und viel darüber hinaus. Dieses Zuviel und ihr Nachfragen, sprengen den Rahmen des Anerkannten. Sie wird missverstanden, eckt an, wird abgestraft, geschändet, ermordet und ist doch nicht tot zu kriegen. Ihre Geschichten haben alle möglichen Zeiten und spielen in allen möglichen Zeiten. Und egal, was dem Kübelkind widerfährt, ob sie überlebt oder stirbt, ihr Motto bleibt: „Wenn man erst tot ist, wird das Leben wieder schön!“

Ula Stöckl und Edgar Reitz drehten die Geschichten vom Kübelkind ausschließlich mit Freund*innen. Heraus kam eine Serie von 22 unterschiedlich langen 16-mm-Kurzfilmen, mit der sie sich radikal außerhalb des Systems Kino positionierten. Der erste Aufführungsort war ein Münchner Kabarett-Theater, welches nach der regulären Vorführung zum „Kneipenkino“ umfunktioniert wurde, wo sich die Gäste einzelne Kübelkind-Folgen anhand einer Menükarte bestellen konnten. 1971 liefen die Geschichten vom Kübelkind im 1. Internationalen Forum des Jungen Films, 2018 hatten sie im Berlinale Forum ihre digitale Wiederaufführung.

Di, 15.01.19 | Einlass: 19:30 | Beginn: 20:00 | 5 €, erm. 3 € | Kulturticket: 30% | Halle

Auch in der KUFA wird das Publikum anhand von Menü-Karten aus den 22 Episoden wählen dürfen, welche der Kurzgeschichten als nächstes gezeigt werden soll.

„Die Geschichten vom Kübelkind sind für unser Land eine cineastische Revolution … Kübelkind, das ist – ein Wiener Schimpfwort – die Nachgeburt, zum Wegschmeißen, die Nachgeburt auch unserer Zivilisation, die Nachgeburt des Kinos. Stöckl/Reitz lassen ihr Kübelkind (Kristine de Loup) gleich erwachsen sein – körperlich; denn die geistig-seelische Reife fehlt eklatant und wird dem Findling anerzogen. Es sind also, auf einen großen Nenner gebracht, Anpassungsgeschichten, die dem Kübelkind widerfahren. Doch freilich: Ein Kübelkind paßt sich nicht an. Wenn es gelehrig ist, dann ist es allzu gelehrig und dreht den Konventionen einen Strick daraus.“ Peter W. Jansen, Die Zeit, 23.7.1971

BRD 1971. 22 Episoden. Gesamtlänge: 220 min. Farbe + Schwarz-Weiss, digital restaurierte Fassung. Sprache: Deutsch. Untertitel: Englisch. Verleih: Arsenal Berlin.

Mehr Infos unter aresenal-berlin.de und ula-stoeckl.com.
Trailer unter: https://www.arsenal-berlin.de/distribution/news/einzelansicht/article/7403/2808.html

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