Dem Unsichtbaren eine Form verleihen

HILDESHEIM. Heiße Funken fliegen durch die Luft, wenn Maximilian Lemke mit dem Schweißbrenner die schwere Metallplatte in Form bringt. Zusammen mit neun Mitschülerinnen und Mitschülern arbeitet er in der Metallwerkstatt der Fakultät Gestaltung der HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/Holzminden/Göttingen an einer Skulptur, inspiriert durch die intensive Auseinandersetzung mit der Bernwardstür zu Hildesheim. „Auf der Suche nach dem Unsichtbaren“ heißt das bilinguale Projekt mit künstlerischem Schwerpunkt, das von Kunstlehrerin Angelika Gehler und Sprachlehrerin Dorothea Michel am Gymnasium Josephinum ins Leben gerufen wurde.

Das Projekt richtet sich an alle 9. Klassen am Gymnasium Josephinum – die Teilnahme ist freiwillig. Initiatorin Angelika Gehler erläutert: „Die Arbeit teilt sich in zwei Phasen auf. In der ersten haben wir recherchiert und analysiert.“ In der Domschule haben sich die Schülerinnen und Schüler mit dem aufwändigen Herstellungsverfahren der Bernwardstür beschäftigt, dem geschichtlichen Bewusstsein des Kunstwerks in der Bevölkerung, den Bedeutungen der Tafeln als Hauptbotschaft sowie in Bezug auf die dazu passenden Bibelstellen, den kulturhistorischen Hintergrund sowie die kunsthistorische Analyse und theologische Deutung. Die weitere Forschung zu diesen Themen fand in der Dombibliothek statt, im Internet, durch Umfragen sowie durch Gespräche mit Fachleuten, die als Gastreferentinnen und Gastreferenten eingeladen wurden. Einer von ihnen war Walter Moroder, den die Schülerinnen und Schüler bei seiner Ausstellung „Hinter den Dingen“ im Dommuseum zu einem Künstlergespräch trafen. Es waren dann vor allem die Frauengestalten aus Holz, die mit ihrer rätselhaften Orientierung sowie Moroders Umsetzungsvorschlägen die richtigen Denkanstöße lieferten.

Jetzt waren die Schülerinnen und Schüler vorbereitet auf den zweiten Teil – den Bau eines eigenen Kunstwerks. Die Bernwardstür wird lebendig, indem eine lebensgroße Figur aus einer Tafel heraustritt und sich unter die Menschen mischt. Weil diese Figur aus einem ähnlichen Material wie die Bernwardstür bestehen soll, nahm Gehler Kontakt zur HAWK in Hildesheim auf. Durch frühere Projekte kannte sie Dekan Prof. Dr. Henrik Oehlmann, der nach einem Telefonat sofort den Kontakt vermittelte zu Cord Theinert, dem Leiter der HAWK-Metallwerkstatt, der den künstlerischen Schaffensprozess fortan mit Rat und Tat begleitete.

Nach einer Vorbesprechung in der Schule, in der vor allem das Material und die Details des Entwurfs geklärt wurden, brachte Theinert den Schülerinnen und Schülern die notwendigen Grundfertigkeiten der Metallverarbeitung wie zum Beispiel das Schweißen, Bohren und Flexen bei. Am Ende soll die Skulptur ein offenes Buch darstellen, aus dem ein Engel heraus tritt, der als Botschafter, stellvertretend für die Bewerbung Hildesheims zur Kulturhauptstadt Europas 2025, auf Reise geht.

Das Kunstwerk soll auch Partizipation ermöglichen. Wie? Auf der Rückseite treten Flügel heraus. An dieser Stelle kann man sich so positionieren, dass es aussieht, als hätte man Flügel. So fotografiert kann jede und jeder zur Botschafterin und zum Botschafter werden. Europäisch ist übrigens auch der bilinguale Ansatz des Projekts: Die Ergebnisse der theoretischen und praktischen Arbeit werden unter Anleitung von Sprachlehrerin Dorothea Michel in englischer Sprache so aufbereitet, dass eine Projektpräsentation sowohl digital als auch beim Treffen mit Schulen anderer europäischer Städte in Form von Kurzreferaten erfolgen kann.

Die Skulptur wird als Ergebnis des Projekts am Dienstag, 19. März, um 12:00 Uhr im Gymnasium Josephinum vorgestellt.

PR
Foto: HAWK

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