1,5 Millionen Euro Soforthilfe gegen Borkenkäferplage

NIEDERSACHSEN. Die massive Vermehrung des Borkenkäfers macht den niedersächsischen Wäldern zu schaffen. Deshalb stellt das Land den Waldeigentümerinnen und Waldeigentümern eine Soforthilfe von 1,5 Millionen Euro zur Verfügung, um geeignete Maßnahmen zur Bekämpfung des Schädlings einzuleiten. „Die Schäden sind enorm. Wir müssen alles dafür tun, um unsere Wälder zu schützen“, sagte Forstministerin Barbara Otte-Kinast. Bei einem Vor-Ort-Besuch im Forstamt Reinhausen vergangene Woche zeigte sie sich besorgt von den umfassenden Schäden, die der Borkenkäfer bislang angerichtet hat. Zumal die Stürme „Eberhard“ und Franz“ die Lage noch einmal verschärft haben.

Das Land stellt für die Bekämpfung der Borkenkäfer Fangsysteme und Lockstoffe in Höhe von einer Million Euro bereit, die den Waldbesitzern unentgeltlich überlassen werden. Nach einer landesweiten Bedarfsabfrage hat die Landwirtschaftskammer Niedersachsen die Beschaffung der Fallen und Lockstoffe mit anschließender Koordinierung der Verteilung übernommen.

Das Aufstellen und die Bekämpfung mit Fangsystemen und Fangholzhaufen im zeitigen Frühjahr zur ersten Schwärmzeit der Borkenkäfer gehört zu den bewährten Maßnahmen. Da in diesem Frühjahr mit einem massiven Befallsdruck der Käfer gerechnet wird, ist es sehr entscheidend, die lokal bekannten massiven Käferdichten in einem ersten wirksamen Schlag über Fangsysteme abzuschöpfen, um so eine weitere Vermehrung und Schäden durch die Käfer zu begrenzen.

Um möglichst frühzeitig die frisch befallenen Bäume zu finden, zu dokumentieren und im Anschluss zu beseitigen, wird auf mehr Kontrollpersonal gesetzt. Mit der Förderung von sogenannten „Waldläufern“ beteiligt sich das Land zusammen mit dem Bund an einer personellen Unterstützung und Entlastung auf der Fläche. Für die digitale Dokumentation im Wald ist eine Borkenkäfer-App zur Erfassung der Schäden in Vorbereitung, die aus Landesmitteln finanziert wird. Damit können die durch die Waldläufer erhobenen Daten digital von den Förstern weiterverwendet werden.

Weitere schnell greifende Hilfsmaßnahmen treten über eine neugestaltete Förderrichtlinie mit dem Schwerpunkt Waldschutz und Borkenkäferbekämpfungsmaßnahmen kurzfristig in Kraft. Bund und Land teilen sich die Finanzierung, die schon jetzt für 2019 gesichert ist. Das Geld stammt aus der Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes (GAK). Die neue Förderrichtlinie bietet folgende Maßnahmen mit einem Fördersatz von 80 Prozent über eine Pauschale bzw. eine Anteilsfinanzierung an:

  • Anlage und Behandlung von Fangholzhaufen
  • Aufarbeitung, Zerkleinerung und Beseitigung von bruttauglichem Restholz auf der Schlagfläche
  • Entrindung von Derbholz
  • Polterbehandlung
  • Anlage von Holzpolterplätzen (einschließlich Nass- und Trockenlagerung) zur Lagerung von Kalamitätshölzern
  • Transport des Holzes auf Holzlagerplätze außerhalb des Waldes
  • Einsatz von geschulten Hilfskräfte zum Auffinden und zur Dokumentation von Borkenkäfer-Befallsherden

Hintergrund:
Die Wälder in Niedersachsen, insbesondere die Fichten, sind erneut von Borkenkäfern bedroht. Im vergangenen Katastrophenjahr konnten sich – begünstigt durch große Mengen von Sturmholz gefolgt von einer langanhaltenden Dürre und Trockenheit – Borkenkäfer massenhaft vermehren und große Populationen aufbauen. Borkenkäfer wie Buchdrucker und Kupferstecher können Nadelbäume, vor allem die Fichten, befallen und meist zum Absterben bringen. Aber auch die Lärchen sind lokal stark durch den Lärchenborkenkäfern getroffen. Aufgrund der optimalen Brutbedingungen im Sommer 2018 konnte ein weiblicher Borkenkäfer über 100.000 Nachkommen schaffen. Im gesamten Land mit einem Schwerpunkt in südniedersächsischen Bergland zeigt sich ein verheerendes Bild dieser größten Massenvermehrung von Borkenkäfern seit Jahrzehnten. Auch in diesem Jahr droht eine erneute Plage. Millionen von überwinternden Käfern werden im zeitigen Frühjahr wieder aktiv und können voraussichtlich eine weitere Massenvermehrung fortsetzen.

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