Vom Kleinmöbel bis zum Kunstgegenstand

HILDESHEIM. Lässt sich ein Tablett weiterentwickeln? Auf welchem Möbelstück legt man am besten seine Alltagsgegenstände ab? Was haben Glas und Wasser gemeinsam? Die Antworten auf diese und weitere Fragen liefert die Ausstellung „Artrio“ der Kompetenzfelder Produktdesign und Metallgestaltung der Fakultät Gestaltung der HAWK in Hildesheim. Gezeigt werden die Ergebnisse aus drei Seminaren von Studierenden aus dem 2. bis 5. Semester.

Das 2. Semester Produktdesign hatte die Aufgabe, Kleinmöbel zu entwickeln, die als Ablage dienen sollen. Die Vorgabe „Von der Fläche zum Volumen“ erscheint auf dem ersten Blick simpel, denn Materialien wie beispielsweise Holz, Metall oder Papier sind in vielfacher Form vorhanden als Basis zur Umsetzung für Ideen vom Einzelstück bis zur seriellen Fertigung. Sie fordern die Gestaltenden heraus, weil die Verformbarkeit ohne Umformwerkzeuge nur sehr eingeschränkt möglich ist. So ist das einzige Werkzeug bei diesen Entwürfen – neben dem Kopf – der Laserschneider.

Die Ergebnisse aus dem Seminar von Prof. Andreas Schulz zeigen eine reiche Vielfalt an Methoden, mit denen beispielsweise eine biegesteife mitteldichte Faserplatte flexibel wird. Ein Beispiel dafür ist der Entwurf einer Obstschale namens Fructucs Cete von Kenny Döring. Der Name bedeutet Obst-Wal, weil das Seitenprofil einem Wal ähnelt. Fructus Cete kann man für Bananen nutzen, da man sie an den Walschwanz hängen kann. Andere Obstwaren können darunter in die Schale gelegt werden, denn echte Obstgenießer wissen, dass die gemeinsame Lagerung von Bananen mit beispielsweise Äpfeln beide Fruchtsorten schneller verderben lässt.

Mehr mit Transport statt mit Lagerung beschäftigten sich unter der Leitung von Prof. Schulz und Prof. Hartwig Gerbracht Studierende aus den Kompetenzfeldern Produktdesign und Metallgestaltung im 3. und 4. Semester. Es geht um das Tablett und die Frage, was sich an einem so reduzierten und bekannten Objekt überhaupt weiterentwickeln lässt. Unter Anwendung verschiedener Kreativmethoden ist es den Studierenden gelungen, die klassische Anwendung zu optimieren und zu erweitern. Das reicht von funktionalen Verbesserungen bis hin zu der Ausrichtung des ansonsten universellen Gegenstandes Tablett auf besondere Situationen, beispielsweise die Zeit zu zweit. Dabei bekommt das Tablett über seine praktische Funktion hinaus auch eine symbolische Funktion.

Exemplarisch dafür steht das Tablett von Anne Feldhof. Es spielt mit den Funktionen Tablett und Tisch – denn es kann beides sein. Der Moment des Präsentierens ist für Gäste, Kunden und sich selbst ein wichtiger Moment. Ihr Entwurf beeindruckt durch seine Mechanik, die vielen Nutzungsmöglichkeiten und als interessante Spielerei im Alltag. Der Mechanismus basiert auf der Struktur von Collapsible-Origami-Zylindern.

Einen weiteren Themenbereich der Ausstellung liefert das Seminar „Glas“. Bereits zum dritten Mal konnten Studierende aus dem 4. und 5. Semester unter Leitung von Dozent Fabio Vogel mit der Glasmanufaktur Harzkristall in Blankenburg zusammenarbeiten. Die ermöglichte mehrere Hüttentage, bei denen professionelle Glasmacher im Rahmen von gemeinsamen Workshops ihre Glaspfeifen für frische Ideen eingesetzt haben. Das Spannende dabei war der Zufall: Denn das glänzende, schimmernde Glas ist ein amorpher Werkstoff, der wie gefrorenes Wasser viele Formen annehmen kann. Beide Stoffe erstarren bei entsprechendem Temperaturabfall. Glas als flüssiger Werkstoff ermöglicht eine ungeahnte gestalterische Freiheit und ist deshalb eine sehr große Herausforderung. Anders als bei industriellen Verfahren zur Herstellung von Displays, Glasfasern oder Floatgläsern sind bei dieser archetypischen Arbeitsweise einfachere Werkzeuge im Einsatz, die weniger präzise, aber dafür um so lebendiger sind. Zu erwarten sind rein künstlerische Ergebnisse genauso wie neue Lösungen für Alltagsgegenstände wie beispielsweise eine Teekanne.

Die Ausstellung „Artrio“ ist werktags, 10. bis 17. Oktober, von 09:00 Uhr bis 18:00 Uhr geöffnet. Sie findet statt im Foyer vom Haus E im Campus Weinberg, Renatastraße 11 in 31134 Hildesheim. Eine Führung wird am Freitag, 11. Oktober, um 16:30 Uhr angeboten. Eine Anmeldung ist nicht nötig. Alle Angebote sind kostenfrei.

Die Vernissage findet am 9. Oktober um 18:00 Uhr statt.

Mehr Informationen unter https://www.hawk.de/g

Andreas Kreichelt
Fotos: Anne Feldhof, Kenny Döring

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