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Polizeiinspektion Hildesheim stellt Verkehrsunfallstatistik 2020 vor – Historischer Tiefstand bei den Verkehrsunfällen mit tödlichem Ausgang

HILDESHEIM. „Wir können in vielen Bereichen historische Tiefststände verzeichnen“, so Erster Polizeihauptkommissar (EPHK) Thorsten Diederich als Vertreter des Leiter Einsatzes der Polizeiinspektion Hildesheim im Rahmen der Vorstellung der Verkehrsunfallstatistik für das Jahr 2020 für den gesamten Landkreis Hildesheim incl. der Bundesautobahn. „Seit den im Sachgebiet Verkehr geführten Aufzeichnungen ab dem Jahr 1977 gab es noch nie so wenige Unfälle und auch Unfalltote“. Polizeilich wurden 6806 Verkehrsunfälle im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Hildesheim im zurückliegenden Jahr aufgenommen. Nachdem im Jahr 2019 mit 8255 Schadensfällen ein Höchststand vermeldet werden musste, gingen die Gesamtzahlen für das Jahr 2020 um real 1449 zurück.

Verkehrsunfälle mit schweren Personenschäden (VUSP) gehen deutlich zurück

Im Verhältnis zur Reduzierung der Gesamtunfallzahlen gingen auch die Zahlen bei den folgenschweren Unfällen zurück, Voraussetzung für die statistische Einordnung ist, dass mindestens eine Person getötet oder schwerverletzt wurde. Waren es im Jahr zuvor noch 199, sind es jetzt 144. Im zurückliegenden Jahr hat es in der Polizeiinspektion Hildesheim lediglich vier Verkehrsunfälle mit tödlichem Ausgang gegeben (2019: 15). Das ist der niedrigste Stand seit 1977. Drei dieser Verkehrsunfälle ereigneten sich auf der Bundesautobahn, ein Verkehrsunfall im Zuständigkeitsbereich des Polizeikommissariats Alfeld. „Trotz erheblichem Rückgang sind auch die diesjährigen vier Verstorbenen nicht hinnehmbar. Wir werden unsere Verkehrsüberwachungsmaßnahmen auch in diesem Jahr wieder auf die Hauptunfallursachen wie Ablenkung oder überhöhte Geschwindigkeit ausrichten. Zudem werden wir verstärkt Alkohol- und Drogenkontrollen durchführen“, sagte EPHK Diederich. Damit einhergehend gingen auch die Zahlen der Schwerverletzten (so gilt jemand, der länger als 24 h stationär aufgenommen wurde) von 229 auf 157 und bei den Leichtverletzten von 1178 auf 884 enorm zurück. „Weniger Verkehrsunfälle, Schwerverletzte und Verkehrstote – eine erfreuliche Entwicklung. Dennoch ist jeder getötete Mensch einer zu viel. Die Senkung der Verkehrsunfälle mit schwerwiegendem Ausgang bleibt weiterhin unser nachhaltiges Ziel. Die rückläufige Entwicklung ist zum einen auf unsere präventiven und repressiven Maßnahmen, andererseits aber auch auf ein verändertes Mobilitätsverhalten während der Corona-Pandemie zurückzuführen – viele Bürgerinnen und Bürger sind von Pkw, Bus und Bahn auf das Rad umgestiegen oder legen kürzere Wege zu Fuß zurück. Auch durch Lockdown und Homeoffice verbringen die Menschen mehr Zeit in den eigenen vier Wänden und weniger im Verkehrsraum“, so das Resümee von Frau Gwendolin von der Osten, Präsidentin der Polizeidirektion Göttingen.

Gesamtzahl der Baumunfälle sinkt in den zweistelligen Bereich

„Ein Zusammenstoß auf Bäume erhöht leider auch immer die Unfallfolgen“, so der Leiter des Einsatz- und Streifendienstes. Zugrunde liegen in der Regel Fahrfehler, die zum Abkommen von der Fahrbahn führen. Nach drei tödlichen Unfällen im Jahr 2019 verstarb im Jahr 2020 bei diesem Unfalltypus kein Verkehrsteilnehmer, aber es wurden 22 Personen schwer- und 38 leichtverletzt. Die Gesamtzahl sank von 128 auf nur noch 98 Verkehrsunfälle.

Wildunfälle machen über 13 % der Gesamtunfälle aus

Von den insgesamt 6806 Unfällen sind 910 mit einer Wildbeteiligung. Die spezifischen Hauptstrecken sind bereits mit dem Verkehrszeichen „Achtung Wildwechsel“ beschildert. Die Polizei appelliert, besonders außerhalb geschlossener Ortschaften ab dem Eintritt der Dämmerung den Fahrstil auch auf das Reagieren auf plötzliches Auftreten von Wild auf der Fahrbahn anzupassen.

Hauptunfallursachen sind Alkohol, Drogen und Geschwindigkeit

Im hiesigen Zuständigkeitsbereich blieb die Anzahl der Unfälle, bei denen der Verursacher unter Alkoholeinfluss stand, mit der Zahl von 99 gleich. Dem gegenüber standen aber auch 304 Alkoholfahrten, bei denen es zu keinem Unfall kam. Im Jahr 2020 wurden auch 260 Fahrzeugführer unter Drogeneinfluss angehalten. Die Unfälle mit der persönlichen Unfallursache Betäubungsmittelbeeinflussung sanken von 17 auf 10 Fälle im Jahr 2020. Die Kontrollmaßnahmen der Polizei werden in diesem Handlungsfeld auch in diesem Jahr intensiv fortgesetzt. Drogen- oder Trunkenheitsfahrten sind mit der Überschreitung der jeweiligen Grenzen Straftaten bzw. Ordnungswidrigkeiten und werden entsprechend sanktioniert. „Mobilität ist in der heutigen Zeit von großer Bedeutung. Vor diesem Hintergrund sollte man sich ohne Alkohol- und ohne Drogenbeeinflussung im öffentlichen Verkehrsraum bewegen. Hinzu kommt die abstrakte Gefahrenerhöhung bis hin zu der Tötung eines Menschen aufgrund verzögerter Reaktionen. Das ist einfach inakzeptabel“, so EPHK Diederich.

Die Unfallursache Geschwindigkeit, eine der vier Hauptunfallursachen, ging zwar zurück, ist aber weiter zu hoch. Wer zu schnell fährt verursacht eher einen Unfall. Wer zu schnell fährt, hält oft den Abstand nicht. Wer zu schnell fährt, verschlimmert die Folgen eines sonst evtl. glimpflichen Unfalls. Die reine Anzahl an Unfällen mit der Ursache Geschwindigkeit ging statistisch von 322 auf 288 zurück. In diesem Zusammenhang war eine Getötete zu beklagen. Im letzten Jahr wurden 9446 Geschwindigkeitsübertretungen festgestellt, von denen 1073 ein Fahrverbot nach sich zogen. So auch für eine junge Frau, die mit ihrem PKW am 02.12.2020 in einer Baustelle auf der BAB bei erlaubten 80 Km/h mit einer vorwerfbaren Geschwindigkeit von 191 Km/h gemessen wurde. Auch für das Jahr 2021 kündigt die Polizei Hildesheim weiter flächendeckende Geschwindigkeitsmessungen unter dem Motto „Kein Kickdown im Lockdown“ an. „Wir wollen durch all unsere Verkehrsüberwachungsmaßnahmen im Bereich der Verkehrssicherheit nur eines erreichen: Wir wollen Leben retten und schwerste Unfallfolgen verhindern“, sagte Thorsten Diederich abschließend.

Risikogruppen wie „Junge Fahrer“ oder Senioren nicht besonders auffällig

„Bei den insgesamt 6806 Unfällen waren 8867 bekannte Beteiligte aller Alterskategorien involviert“, so die Verantwortlichen des Sachbereichs Verkehr der Polizeiinspektion Hildesheim. 1213 Beteiligte gehörten davon der Risikogruppe „Junge Fahrer“ von 18-24 Jahren an (im Vorjahr 1463). Von diesen wurden 814 Unfälle mit einem Toten und 26 Schwerverletzten verursacht. Bei den Senioren ab 65 Jahren gingen die Zahlen um 323 auf 1312 Unfallbeteiligungen zurück. Sie verursachten 935 Unfälle mit 29 Schwerverletzten.

Gesamtunfallzahlen sinken trotz steigender Zahlen von Radfahrern

Gerade in der Corona-Pandemie war ein erhebliches Anwachsen des Radverkehrs (Fahrräder und Pedelecs) zu verzeichnen. In der PI Hildesheim führte dies jedoch nicht zu einer Erhöhung der Unfallzahlen. Waren 2019 noch 285 Radfahrer an einem Unfall beteiligt, waren es im Jahr 2020 nur noch 271.Sowohl bei den Fahrrad- als auch bei den Pedelec-Fahrern war im Jahr 2020 kein tödlicher Unfall zu verzeichnen. Jedoch wurden 34 Beteiligte schwer- und 158 leichtverletzt. Durch landkreisweit verstärkte Kontrollen wurden 2309 Radfahrer überprüft, die 1507 Verstöße begangen, technisch wurden 974 Zweiräder beanstandet. Mit Blick auf die strategische Ausrichtung der Polizeiinspektion Hildesheim stehen die vorgenannten Kontrollmaßnahmen auch im Jahr 2021 im Fokus.

Geringe Anzahl von Verkehrsunfällen mit E-Scootern

Die Polizei Hildesheim stellt sich auch weiter den Neuerungen im Straßenverkehr – der eMobilität. Neben den motorunterstützten Pedelecs gilt dies besonders für die E-Scooter. Im Stadtgebiet Hildesheim gibt es mittlerweile zwei Anbieter mit insgesamt 650 der neuen Fortbewegungsmittel. Wie schon in 2019 gab es auch jetzt keine signifikanten Unfallhäufungen. Bei acht Unfällen wurden vier Personen leicht verletzt. Im Rahmen der Verkehrsüberwachung wurden jedoch 13 Trunkenheitsfahrten unter Alkohol- und drei unter Drogeneinfluss festgestellt. An dieser Stelle weist die Polizeiinspektion Hildesheim noch einmal eindringlich darauf hin, dass man bei solchen Fahrten mit einem E-Scooter auch seinen Führerschein riskiert. Ein weiteres Augenmerk lag beim Fahren ohne Haftpflichtversicherung. Hier verzeichnet die Polizeiinspektion Hildesheim insgesamt 34 Strafanzeigen.

Fazit

Die Unfallentwicklung in der PI Hildesheim ist in einer summarischen Gesamtbetrachtung als sehr erfreulich zu bewerten. Die Maßnahmenkonzepte und die intensive Verkehrsüberwachung haben erfolgreich gewirkt. Die Rahmenbedingungen mit Blick auf die Pandemie wie Lockdown, Homeoffice und Kontaktbeschränkungen unterstützten die entsprechenden Entwicklungen maßgeblich. Im Jahr 2021 werden die ganzheitlichen Kontrollmaßnahmen mit einem integrativen Ansatz wieder auf die Bekämpfung der bekannten Hauptunfallursachen ausgerichtet. Die polizeilichen Präventionsaktivitäten werden soweit möglich wieder aus dem digitalen Raum in den analogen verlagert. Die Fahrradfahrenden und die Risikogruppen werden wieder in einem besonderen Fokus polizeilicher Aktivitäten stehen.

jpm/ots





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