Gegen das Vergessen: 300. Stolperstein wird verlegt
Am Mittwoch, 2. April, werden im Stadtgebiet Hildesheim weitere 39 Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig verlegt. Am Ende des Tages erinnern dann 300 dieser kleinen Denkmäler an Menschen, die Opfer nationalsozialistischer Gewalt wurden: 262 als Juden Verfolgte, von denen 17 einen zweiten Stein vor ihrer ehemaligen Schule erhielten, acht Geistliche (sieben katholische, ein evangelischer), sieben Zeugen Jehovas, vier nichtjüdische psychisch Kranke, eine Sintizza und ein Sozialdemokrat.
Die 39 Stolpersteine, die jetzt verlegt werden, erinnern an Hildesheimerinnen und Hildesheimer, die als Juden verfolgt wurden. Zwanzig wurden ermordet, dreizehn flüchteten, zwei starben vor Beginn der Deportationen, eine flüchtete in den Tod und drei überlebten die Shoa in Deutschland. Für einige ihrer Angehörigen wurden bereits früher Stolpersteine verlegt. Für sie findet in diesem Jahr vor ihrer damaligen Wohnung eine Familienzusammenführung statt. Die Veranstaltung findet öffentlich statt: Interessierte sind eingeladen, sowohl an der Verlegung als auch an der Gedenkfeier um 11 Uhr am Hindenburgplatz 3 teilzunehmen.
Für den 300. Stolperstein, der dort zum Andenken an Elsbeth Dux (geborene Herzberg) verlegt wird, hat Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer die Patenschaft übernommen. Als „erster Bürger der Stadt“ unterstreicht er damit das, was auch die anderen Patinnen und Paten bekunden: „Hildesheim hat aus der Geschichte die Lehre gezogen, Antisemitismus, Rassismus, Diskriminierung und Verächtlichmachung Andersdenkender nicht zu dulden. Jeder der inzwischen rund 110.000 Stolpersteine, die Gunter Demnig seit 1992 in über 1.265 deutschen Städten und Gemeinden sowie in 21 europäischen Ländern verlegt hat, bringt das zum Ausdruck. Den Menschen, denen die Nationalsozialisten die Würde nahmen, soll sie auf diesem Weg zurückgegeben werden.“
Am Stolpersteinprojekt 2025 beteiligen sich 23 Patinnen und Paten aus der Hildesheimer Bürgerschaft, die einen oder mehrere Steine finanziert haben. Für 2026 gibt es bereits neun Patenschaften für 16 Stolpersteine für jeweils 120 Euro. Für das Ziel von 25 Steinen werden noch Patenschaften gesucht. Interessierte können sich im Kulturbüro der Stadt Hildesheim unter erinnerungskultur@stadt-hildesheim.de oder per Telefon unter 05121 301-4022 melden.
Die Patenschaftsurkunden werden handwerklich und ehrenamtlich gedruckt von der Druck-Offizin. Der Hildesheimer Heimat- und Geschichtsverein unterstützt das Projekt durch die Übernahme der Finanzverwaltung. Das städtische Kulturbüro ermöglicht den Druck der Biografien, koordiniert und organisiert die Veranstaltungen, der städtische Bauhof sorgt für die Verlegungen im Auftrag von Gunter Demnig, der den Leitgedanken der Stolpersteine im Talmud fand: „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“
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