Nitrat im Wasser: Wie stark ist die Leine im Kreis Hildesheim belastet?
Vielen ist der VSR-Gewässerschutz im Kreis Hildesheim von den Informationsständen bekannt, an denen jeder sein Brunnenwasser mitbringen und analysieren lassen kann. Hier erfahren die Brunnenbesitzer, ob ihr Brunnenwasser mit Nitraten belastet ist. Die Nitratbelastung im Grundwasser stellt allerdings nicht nur bei der Verwendung des Wassers ein Problem dar, sondern auch in der Leine und ihrer Nebenbäche. Die Nitrate werden weiter in die Weser transportiert und von dort in die Nordsee. Der VSR-Gewässerschutz führte im Dezember 2025 eine Messfahrt an der Leine von Alfeld bis zur Mündung in die Aller bei Schwarmstedt durch. Es zeigt sich, dass die Nitratbelastung dringend verringert werden muss um die Artenvielfalt zu fördern.

Foto: Harald Guelzow

Foto: Ruben Wiltsch
Im Kreis Hildesheim war Matthias Ahlbrecht für den VSR-Gewässerschutz unterwegs. Er beprobte als erstes die Leine in Alfeld und ermittelte 15,7 Milligramm pro Liter (mg/l) Nitrat. „Ich stellte fest, dass die Leine in Gronau mit 16,4 mg/l Nitrat etwas höher belastet ist. Die in Sarstedt zufließende Innerste ist mit 14,6 mg/l belastet, die Leine im gleichen Ort mit 16,1 mg/l. Vor der Mündung in die Aller in Schwarmstedt weist die Leine bei unseren Messungen eine Nitratkonzentration von 15,6 mg/l auf“, erklärt Matthias Ahlbrecht.
Nach der Oberflächengewässerverordnung soll die Weser in Bremen die Stickstoffkonzentration von 2,8 mg/l nicht überschreiten. „Dies entspricht einem Nitratwert von 12,3 mg/l. Leider haben wir in Bremen am Weserwehr 16,3 mg/l gemessen. Um die Nitratkonzentration hier zu senken, sollten an allen Quell- und Nebenflüssen dieser Zielwert eingehalten werden“, erklärt Harald Gülzow, der schon seit 40 Jahren für den VSR-Gewässerschutz Messfahrten an den Flüssen durchführt. Der VSR-Gewässerschutz fordert, dass die Nitratbelastung in der Leine dringend verringert werden muss. Die Oberflächengewässerverordnung dient zum Schutz der Flüsse und Bäche. Die Bewirtschaftungspläne und Maßnahmenprogramme in den Flussgebieten richten sich zum Schutz der Meeresgewässer an dem Ziel aus, dass die in die Nordsee mündenden Flüsse den Grenzwert nicht überschreiten. „Zu viel Nitrat im Wasser fördert das Algenwachstum. Nach dem Absterben zersetzen Bakterien die Algen. Dieser Prozess benötigt Sauerstoff. Tiere können dann nicht mehr in diesem Wasser leben. Sogenannte Todeszonen entstehen. Es kommt zum Verlust der Artenvielfalt in der Nordsee,“ betont Harald Gülzow. Mit den Messfahrten soll dazu beigetragen werden, dass sich die Nitrateinträge in die Nordsee verringern.
Der VSR-Gewässerschutz sieht eine der großen Ursachen der Belastung der Leine im zusickernden Grundwasser. „Zusammen mit den Drainagen von den Feldern machen diese diffusen Einträge 87 % der gesamten Nitrateinträge im Wesereinzugsgebiet aus,“ erklärt Harald Gülzow. Auch im Kreis Hildesheim ist das Grundwasser zu stark mit Nitraten belastet. Durch die Hilfe von zahlreichen Brunnenbesitzern konnte die gemeinnützige Organisation einen Überblick über die Grundwasserbelastung gewinnen. „Der VSR-Gewässerschutz stellte bei den Brunnenwasser-Analysen im Kreis Hildesheim von 2021 bis 2025 fest: 12,5 % der Brunnenwasserproben überschreiten erschreckenderweise den Grenzwert der Nitratrichtlinie von 50 mg/l Nitrat. Besonders schockierend ist, dass 1,4 % der Brunnen sogar über 100 mg/l Nitrat liegen. Die Nitratbelastung im Grundwasser sinkt trotz vieler Auflagen zur Düngemenge und Düngezeitpunkt nicht so wie gehofft“, erklärt Harald Gülzow
„Nur 13 % der Stickstoffeinträge im Wesereinzugsgebiet stammen aus Punktquellen. Das sind Belastungen aus industriellen Direkteinleitungen oder Abwasser von Kläranlagen, die direkt in ein Gewässer eingeleitet werden. erklärt Harald Gülzow. Gerade bei den Einträgen aus kommunalen Kläranlagen konnte in den letzten Jahrzehnten eine große Verringerung erreicht werden. „Im Kreis Hildesheim liegt nach unseren Recherchen der Nitrateintrag der Hälfte der kommunalen Kläranlagen unter 12,4 mg/l“, erklärt Harald Gülzow.
Über den VSR-Gewässerschutz e.V.
Der VSR-Gewässerschutz wurde 1980 als Zusammenschluss verschiedener Bürgerinitiativen gegründet und engagiert sich für den Schutz des Grundwassers und der Gewässer, sowie der Verbesserung der Wasserqualität. Die gemeinnützige Organisation führt Untersuchungen von Grundwasser und Fließgewässern durch. Die Beprobung von Flüssen und Bächen kann der VSR-Gewässerschutz selbst durchführen. Bei den Wasserproben vom Grundwasser ist der Verein jedoch auf die Mithilfe von Brunnenbesitzern angewiesen.
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