Kulturhauptstadt-Bewerbung: Bürger sollen Ideen einbringen

HILDESHEIM. Das Projektbüro „KULTURHAUPTSTADT Hi2025“ ruft die Hildesheimer Bürgerinnen und Bürger mit einem sogenannten „CALL FOR IDEAS“ dazu auf, ihre ganz persönlichen Ideen für Projekte im Jahr 2025 zu skizzieren und einzubringen. Die Projekte sollen sich künstlerisch mit einem Text, der unter dem Titel „Wir sind aus Hildesheim“ zur Beschäftigung mit der Identität von Stadt und Region anregt, auseinandersetzen. Berücksichtigt werden sollen auch Aspekte wie die europäische Dimension und das angedachte Format mitsamt seiner Zielgruppe.

Den Hintergrund des CALL FOR IDEAS erläutert Thomas Harling (Leiter Projektbüro „KULTURHAUPTSTADT Hi2025“): „Um Kulturhauptstadt Europas 2025 werden zu wollen, braucht es Willen und Mut zur Veränderung. Die Bewerbung muss unter anderem auf die Frage antworten, wie Kultur dazu beitragen kann, alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens zukunftsfähig zu machen.“ Wesentlicher Bestandteil des 60-seitigen Bewerbungsdokuments „Bid Book“, das am 30. September 2019 der europäischen Jury vorgelegt werden muss, ist die künstlerische Vision und Strategie des Kulturprogramms für das Jahr 2025. Die erste Frage, die im Bid Book beantwortet werden muss, lautet jedoch: „Warum will sich Ihre Stadt an dem Wettbewerb um den Titel ‚Europäische Kulturhauptstadt‘ beteiligen?“. „Der Text ‚Wir sind aus Hildesheim‘ nähert sich der Beantwortung dieser Frage an. Er befasst sich mit der Geschichte und der Gegenwart und umschreibt die Herausforderungen, die wir in der Zukunft vermuten. Sie haben den Impuls, den Text zu verändern und/oder zu kommentieren? Ergänzen, streichen, korrigieren Sie ihn gerne nach Belieben. Komplettieren Sie unsere Erzählung von Hildesheim. Wenn Sie möchten, können Sie uns Ihre Gedanken gemeinsam mit Ihrer Projektidee zukommen lassen“, so Harling.

„Skizzieren Sie Ihre Idee für ein Projekt im Jahr 2025, das sich mit einem oder mehreren Themen des vorliegenden Textes künstlerisch auseinandersetzt. Stellen Sie sich vor, dass die Region Hildesheim 2025 ein kulturelles Experimentierfeld ist, um stellvertretend für viele andere europäische Regionen Antworten auf die großen Fragen der Zukunft zu finden“, erklärt Thomas Harling. Die Skizze sollte max. eine DIN A4-Seite lang sein und in diesem Zusammenhang die folgenden Fragen – in Stichpunkten oder ausformuliert – beantworten:

  • Mit welchem Thema/welchen Themen möchten Sie sich in Ihrem Projekt beschäftigen?
  • Hat Ihr Projekt auch eine europäische Dimension? Wenn ja, inwiefern?
  • Wie sieht das Format Ihres Projektes aus? (Ausstellung, Performance, Konzert, Installation, oder andere)
  • Welche Zielgruppe/n möchten Sie mit Ihrem Projekt erreichen?
  • Welcher Zeitrahmen eignet sich für Ihr Projekt und warum? (ein Tag, eine Woche, jeden ersten Donnerstag im Monat etc.)
  • Bitte nennen und/oder beschreiben Sie den Ort, an dem das Projekt stattfinden könnte/ sollte?

Alle eingesendeten Projektideen werden zu Beginn des Jahres 2019 gemeinsam mit dem interdisziplinären Beratungsgremium „EuroCultureVision Hi2025“ gesichtet. „Im Anschluss bitten wir ggf. Ideengeber/innen, ihren Vorschlag zu einem konkreten Projektentwurf gegen ein Honorar weiter zu entwickeln. Einige dieser Projektentwürfe finden dann eventuell bereits Eingang in die Bewerbung Hildesheims als Kulturhauptstadt Europas 2025. Sollten wir den Wettbewerb gewinnen (der Titel wird im Jahr 2020 verliehen), werden alle Projektideen Teil des Ideenspeichers für das Veranstaltungsjahr 2025. Wir freuen uns auf Ihre inspirierende Projektidee!“, so Thomas Harling.

Einsendeschluss für die Beteiligung am CALL FOR IDEAS ist der 6. Januar 2019. Projektideen können per Mail oder per Post an info@hi2025.de bzw. an das Projektbüro KULTURHAUPTSTADT Hi2025, Bernwardstraße 32, 31134 Hildesheim, gesendet werden. Alle Infos zum CALL FOR IDEAS finden sich auch auf www.hi2025.de/callforideas

Für Fragen dazu bietet das Projektbüro am Mittwoch, 12. Dezember, von 16 bis 20 Uhr individuell vereinbarte persönliche Sprechstunden an. Terminwünsche sind bitte bis zum 10. Dezember an info@hi2025.de zu richten.

Wir sind aus Hildesheim

Wir sind aus Alfeld, Sibbesse, Harsum und Bad Salzdetfurth.1
Wir leben in der Stadt. Auf dem Dorf. Irgendwo dazwischen.
Wir leben hinter den sieben Bergen. Wie Schneewittchen.
Wir sind die Lümmel aus der Vorstadt und die Unschuld vom Lande.
Das Beste an uns ist der ICE nach Berlin.2
Das Beste an uns sind die kurzen Wege.
Das Beste an uns sind die günstigen Mieten für Startups.
Das Beste an uns ist, dass wir nicht nur einen Sport können.3
Wir haben mit Leere zu tun. In Gemeinden und Städten. In Gebäuden und Landschaft.
Manchmal fällt uns dazu nichts ein, manchmal viel.
Wir sind europäisch. Wir sind noch nicht europäisch.
Die Geschichten, die wir erzählen, haben manchmal Großeltern, die sehr weit entfernt gelebt
haben.
Unsere Wurzeln liegen im frühen Mittelalter.
Unsere Wurzeln liegen in Syrien, Eritrea und Afghanistan. In der Türkei.4
Nach dem Krieg wurzelte unsere Hoffnung unter den Trümmern des Domes.
Unsere Rose ist für andere eine Hagebutte.
Wir haben Weltkulturerbestätten. Wir haben die Zuckerrübe.
Wir leben auf gutem Boden. Das Beste an uns sind die Böden.
Wenn die Zugvögel im Herbst nach Süden ziehen, sind unsere Hügel die erste
Markierung nach der Norddeutschen Tiefebene.
Wir sind eine Stadt der Kirchen. Wir sind eine Stadt der Frisöre.
Wir sind Menschen mit Religionen. Wir sind Menschen ohne Religionen.
Alle haben Frisuren. Alle haben Werte.
Wenn Menschen uns besuchen, sagen sie oft, dass es bei uns sehr schön ist.
Wir galten als „Nürnberg des Nordens“.
Ein Bombenangriff zerstörte die Stadt. Eine Politik zerstörte die Stadt.
Wir wissen bis heute nicht wie wir damit umgehen sollen.
Wir haben die Stadt wieder aufgebaut. Wir haben viele Fassaden. Sie machen Dinge sichtbar und
unsichtbar.
Wir liegen in der Mitte Deutschlands. Wir sind nicht groß und nicht klein.
Vieles entspricht dem Durchschnitt.5
Manchmal gefällt uns das.
Manchmal glauben wir, dass die großen Themen dieses Planeten merkwürdig wenig mit uns zu tun
haben.
Manchmal halten wir die Zukunft für bedrohlich und das Durchschnittliche für nicht ausreichend.
Wir brauchen Nachdenklichkeit und Konsequenz, Wurzeln und Visionen, Philosophie und
Bauernschläue, Rosen und Rüben.

1
Außerdem aus Giesen, Diekholzen, Freden, Lamspringe, Holle, Bockenem, Algermissen, Sarstedt,
Samtgemeinde Leinebergland, Elze, Nordstemmen, Schellerten und aus allen Dörfern deren Namen wie
Gedichte klingen.
2
Stimmt es, dass Studierende der Kulturwissenschaften das so sagen?
3
American Football: 1. Liga, Volleyball: 1. Liga, Handball: 3. Liga, Fußball: 5. Liga
4
Und in vielen weiteren Ländern dieser Erde.
5
Ausgenommen unsere Finanzen. Die sind Unterdurchschnittlich. Aber Kreativität ist nicht käuflich

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