Naturschutzbehörde lässt Naturdenkmal in Schellerten fällen

HILDESHEIM. Die Naturschutzbehörde des Landkreises lässt in den kommenden Tagen einen großen als Naturdenkmal geschützten Baum an der Ortsdurchfahrt der Bundesstraße 1 in Schellerten fällen. Weil die Standfestigkeit der 150jährigen Buche nicht mehr gegeben ist, erfordert die Verkehrssicherungspflicht nun sofortiges Handeln. Im Zuge dieser Arbeiten kann es auch zeitweise zu Einschränkungen des laufenden Verkehrs kommen.

Die markante dunkelrotlaubige Buche dürfte vielen Schellertern und auch Nutzern der Bundesstraße als Baum wie aus dem Bilderbuch bekannt und vertraut sein. Vor rund 150 Jahren wurde die dekorative Blutbuche als Haus- und Hofbaum auf dem landwirtschaftlichen Anwesen Köhler gepflanzt. Generationen von Hofbesitzern erfreuten sich seitdem an ihrem dichten Schatten und natürlich der Reputation, die Hof und Baum im Ensemble einbrachten. Daneben versprach man sich seinerzeit von einem großen Hofbaum auch einen Schutz gegen Blitzeinschlag. Das Laub ließ sich als Einstreu im Stall nutzen und die Bucheckern waren willkommen als Futter für die Schweine.

In den vergangenen trockenen Sommern zeigte der Baum bereits eine fortschreitende Kronenverlichtung. Nun offenbarte sich im Rahmen der regelmäßigen Kontrollen die eigentliche Ursache der Schwächung, weil die Sporenträger des Riesenporlings im Wurzelbereich auftauchten. Der Riesenporling ist ein Pilz, der die Wurzeln von Buchen und anderen Laubhölzern infiziert und sich über lange Zeiträume unerkannt dort ausbreiten kann. Der Pilz lebt von den Stoffwechselprodukten des Baumes und verursacht eine fortschreitende Weißfäule in den infizierten Partien. Diese Weißfäule beeinträchtigt schließlich die Standfestigkeit des erkrankten Baumes so erheblich, dass nun akute Umsturzgefahr gegeben ist.

Die Blutbuche war seit 1992 als Naturdenkmal geschützt und wurde von der Naturschutzbehörde bis 2017 als vital und gesund eingestuft. Außer einer leichten Kronenpflege musste an diesem Baum nichts veranlasst werden. In den Jahren 2011 und 2012 wurde die Bundesstraße mit großem Aufwand umgestaltet. In diesem Zuge hat die Gemeinde auch die im Gehweg verlaufenden Versorgungsleitungen erneuern lassen. Ob diese Arbeiten im Wurzelbereich nun für die Pilzinfektion der Buche ursächlich waren oder ob diese Arbeiten zusammen mit der anschließenden Trockenperiode nur das Absterben des Naturdenkmals beschleunigt haben, lässt sich nicht mehr klären. Schellerten ist damit künftig um eine Attraktion ärmer.

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