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Babylotsen – eine wichtige Hilfe für junge Familien

HILDESHEIM. Der Einsatz von Babylotsen, die frisch gebackene Eltern in der Geburtsklinik beraten, trägt spürbar dazu bei, dass junge Familien einen leichteren Start erleben und sich besser auf die Zeit nach der Entlassung vorbereitet fühlen. Auch vom Klinikpersonal wird der Einsatz der Babylotsen als sehr wichtig bewertet. Dabei hat sich ihre Arbeit in der Corona-Pandemie zum Teil erschwert. Gleichzeitig werden Babylotsen noch mehr gebraucht als früher. Das sind die zentralen Ergebnisse einer vom Deutschen Caritasverband in Auftrag gegebenen Studie, die am 10. Juni veröffentlicht wurde. In Hildesheim sind aktuell zwei Babylotsen des Caritasverbandes für Stadt und Landkreis Hildesheim im St. Bernward Krankenhaus aktiv.

Als Babylotsinnen im St. Bernward Krankenhaus aktiv: Jannike Brandtstaetter und Fenja Machens vom Caritasverband für Stadt und Landkreis Hildesheim.

Babylotsen sorgen dafür, dass der kritische Moment zwischen Geburt und Entlassung aus dem Krankenhaus nicht ungenutzt bleibt. „Die ersten Tage nach der Geburt sind sehr wichtig, um Fuß zu fassen. Das Leben braucht einen guten Anfang. Dazu gehört nicht nur eine gute medizinische Betreuung bei Schwangerschaft und Geburt, sondern auch die Entlastung und Unterstützung der Eltern, wenn sie diese brauchen. Prävention ist hier der Schlüsselbegriff“, kommentiert Eva Maria Welskop-Deffaa, Vorstand Sozialpolitik des Deutschen Caritasverbandes, die Ergebnisse der Untersuchung.

Für die Studie hat das Forschungsinstitut Kantar im Auftrag der Caritas 80 Babylotsen, 31 Mütter und 35 Klinikmitarbeitende telefonisch interviewt. Demnach sind 74 Prozent der Mütter, die in der Klinik Kontakt zu einer Babylotsin hatten, zufrieden oder sehr zufrieden mit ihrem Klinikaufenthalt. Unter den Müttern, die keinen Kontakt zu einer Babylotsin hatten, liegt dieser Anteil nur bei 55 Prozent. Erstgebärende ohne Kontakt zu einer Babylotsin fühlten sich zu 50 Prozent schlecht auf die Entlassung aus der Klinik vorbereitet. Unter denen, die von einer Babylotsin begleitet wurden, waren es nur 20 Prozent. Ausnahmslos alle befragten Mütter, die Kontakt zu einer Babylotsin hatten, können das weiterempfehlen. Deutlich fiel auch die Befragung der Klinikmitarbeitenden (Ärztinnen und Ärzte, Hebammen, Pflegekräfte) aus: 95 Prozent der Befragten in Kliniken mit Babylotsen erachten deren Einsatz als unabdingbar und für 97 Prozent stellen sie eine Entlastung dar. Demgegenüber halten es 84 Prozent der Befragten in Kliniken ohne Lotsenprogramm für sinnvoll, das Programm auch bei ihnen einzuführen.

Babylotsen in der Pandemie: noch wichtiger

Die Studie zeigt auch, dass Babylotsen in der Corona-Pandemie noch mehr gebraucht werden als vorher. Als größte Herausforderung nannten die befragten Mütter den fehlenden Austausch und die Kontaktbeschränkungen (90 Prozent). Auch Corona-bedingte finanzielle Sorgen (32 Prozent) sowie die Betreuung der Geschwisterkinder (26 Prozent) stellten bedeutende Herausforderungen dar. „Die Babylotsen haben den Corona-Stresstest bestanden und es ist noch klarer geworden, welche Stütze sie für Familien sind,“ erklärt Eva Maria Welskop-Deffaa. „Es ist endlich an der Zeit, dieses wichtige Angebot in der Fläche zu etablieren und auf eine nachhaltige Finanzierungsbasis zu stellen. Hier sehen wir jetzt die Gesundheitsministerinnen und -minister der Länder und den Bundesgesundheitsminister in der Pflicht. Bis 2024 sollten dieses Angebot flächendeckend in allen Geburtskliniken vorhanden sein.“

Erschwerte Bedingungen durch Corona auch für die Babylotsen in Hildesheim

Dabei haben sich die Arbeitsbedingungen der Babylotsen in der Pandemie verschlechtert. So war ihre Anwesenheit in der Klinik häufig nicht erlaubt oder stark eingeschränkt (45 Prozent). Von persönlichen Kontakten wurde auf schriftliche und telefonische Kommunikation sowie Videotelefonie gewechselt (34 Prozent), zusätzliche Hygienemaßnahmen waren zu beachten (16 Prozent) und die Arbeitsbelastung hat zugenommen und erfordert mehr Flexibilität (15 Prozent). Babylotsin Fenja Machens vom Caritasverband Hildesheim, die im St. Bernward Krankenhaus arbeitet, kann das bestätigen: „„Die Babylotsinnen-Arbeit wurde gerade am Anfang der Pandemie auf die Probe gestellt. Durch das Wegfallen von persönlichen Kontakten gab es Schwierigkeiten, einen direkten Kontakt zu den Eltern aufzubauen.“ Ihre Kollegin Jannike Brandtstätter ergänzt: „Der Kontakt und die Kommunikation zu den Eltern gestaltet sich nach wie vor herausfordernd. Die Abstandsregeln und das Tragen einer Maske stellen eine Hürde dar, sodass es schwieriger ist, Nähe und Vertrauen aufzubauen.“

Das Babylotsen-Angebot gibt es seit 2007 an verschiedenen Standorten. Es geht auf eine Initiative der Stiftung SeeYou – Familienorientierte Nachsorge zurück. Mittlerweile ist das Programm in 71 Geburtskliniken in acht Bundesländern präsent und kann damit über 16 Prozent aller Geburten in Deutschland erreichen. 25 Prozent aller Babylotsen-Kliniken sind Einrichtungen der Caritas, darunter auch das St. Bernward Krankenhaus in Hildesheim. Finanziert wird das Babylotsen-Programm in einer im Einzelfall häufig komplexen Kombination aus Eigen-, Dritt-, Bundes-, Landes- und kommunalen Mitteln.

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Foto: St. Bernward Krankenhaus / Hanuschke Fotografie





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