Montag, 13. April 2026

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Trotz „Schnitzel-Steuergeschenk“: VieleWirte im Kreis Hildesheim knausern beim Lohn

Die rund 410 Gastro-Betriebe im Landkreis Hildesheim profitieren – viele Köche und Kellnerinnen gehen leer aus: Hotels, Restaurants und Gaststätten müssen seit Jahresbeginn deutlich weniger Mehrwertsteuer bezahlen – nämlich nur noch 7 statt 19 Prozent. „Von jedem 10-Euro-Schein, den der Gast im Restaurant lässt, bleiben dadurch rund 95 Cent zusätzlich für den Gastronomen übrig. Das Geld landet zwar in der Kasse – aber nicht in der Lohntüte der Beschäftigten“, sagt Lena Lange von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).

Auch der Gast merke von dem Steuergeschenk, das die Bundesregierung den Gastronomen gemacht habe, so gut wie nichts: „Wer mit dem großen Rutscheffekt der Preise auf den Speisekarten im Kreis Hildesheim gerechnet hat, wurde in die Irre geführt“, so Lena Lange. Die Geschäftsführerin der NGG Hannover wird deutlich: „Da hat die Bundesregierung die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Denn die allermeisten Gastronomen im Kreis Hildesheim stecken das Geld, das durch das Schnitzel-Steuergeschenk für sie übrig bleibt, in die eigene Tasche“, sagt Lange.

Und es sei eigentlich „alles noch viel schlimmer“: „Denn gleichzeitig bezahlen viele Gastronomen ihren Beschäftigten in der Küche und im Service nur den gesetzlichen Mindestlohn. Das ist das absolute Minimum. Und dann beklagen sie sich auch noch darüber, dass sie 1 Euro und 8 Cent beim Stundenlohn draufzahlen müssen, weil der gesetzliche Mindestlohn zum Jahresbeginn auf 13,90 Euro pro Stunde gestiegen ist“, sagt Lena Lange.

Die Geschäftsführerin der NGG Hannover warnt vor „unschöner Gastronomen-Gier“: „Wer seine Beschäftigten in der Küche oder im Service mit dem Mindestlohn abspeist, bezahlt keinen anständigen Lohn. Entscheidend und wirklich fair ist nur der Tariflohn“, so Lange. Der liege für eine erfahrene Profi-Köchin oder eine souveräne Servicekraft in ganz Niedersachsen bei immerhin 17,73 Euro pro Stunde.

Doch ein Großteil der gastronomischen Betriebe im Landkreis Hildesheim betreibe „systematisch Tarifflucht“: „Viele Gastwirte, Restaurantchefs und Hoteliers im Kreis Hildesheim schlagen einen weiten Bogen um den Tariflohn. Und damit auch um Zuschläge an Sonn- und Feiertagen und um Urlaubsregelungen“, so Lena Lange. Die Gastronomie gehöre zu den „Rekord-Branchen der Tarifflucht“.

„Viele der Gastro-Beschäftigten kommen so beim Lohn zu kurz“, kritisiert Lange. Insgesamt arbeiten im Kreis Hildesheim nach Angaben der NGG Hannover rund 4.420 Beschäftigte in der Gastro-Branche – von der Köchin bis zum Barkeeper, vom Kellner bis zur Rezeptionistin. Die Gewerkschaft beruft sich dabei auf Zahlen der Arbeitsagentur.

Wer im Kreis Hildesheim in der Gastronomie arbeitet, kann sich über eine Gewerkschaftsmitgliedschaft bei der NGG Hannover informieren und dabei auch mehr über den aktuellen Tariflohn erfahren: (0511) 12 10 20 | region.hannover@ngg.net.

PR
Foto: NGG | Alireza Khalili

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