Kein Mensch soll unbegleitet aus dem Leben fallen

Kein Mensch soll unbegleitet aus dem Leben fallen

20. November 2020 Aus Von Hildesheimer Presse

HILDESHEIM. „Jeder Mensch sollte mit Würde bestattet werden und nicht einfach „aus dem Leben fallen“. Das ist die Überzeugung einer Gruppe von Ehrenamtlichen, die sich um die Trauerfeier für solche Menschen kümmern, die am Ende ihres Lebens allein stehen, die weder Geld noch Angehörige hinterlassen. Die Gruppe ist Teil des Hospizvereins „Geborgen bis zuletzt“ im Ev.-Luth. Kirchenkreisverband Hildesheim. Und dieses „bis zuletzt“ geht für sie über den Tod hinaus.

Die Gruppe der Ehrenamtlichen nach einer Trauerfeier auf dem Hildesheimer Nordfriedhof

Sechs Frauen und ein Mann gehören zu dieser Gruppe, die sich 2007 gebildet hat. Erfahren sie, meist durch den beauftragten Bestatter, vom Tod eines Menschen ohne Angehörige, der auf Kosten der Kommune beigesetzt werden soll, dann werden sie aktiv. Sie formulieren eine Traueranzeige, die kostenlos in der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung veröffentlicht wird. Dadurch kämen dann meist doch einige Gäste zu der Trauerfeier, erklärt Irmgard Kiene, Sprecherin der Gruppe: Verwandte, zu denen der Kontakt abgerissen war, Nachbarn, Kollegen oder auch die Kumpel aus der Stammkneipe kommen zur Beisetzung.

„Da entstehen Gespräche, werden Erinnerungen und Anekdoten ausgetauscht und Gefühle geweckt. So kann mit dem Vergangenen abgeschlossen werden“, erzählt Irmgard Kiene. Die Ehrenamtlichen organisieren einen Pastor oder eine Pastorin für die überkonfessionelle Trauerfeier, die in einem Vorraum der Kapelle am Nordfriedhof abgehalten wird. Den Blumenschmuck steuert Blumen-Lange bei. Die Kosten der Bestattung trägt die Kommune.

Die Gruppe von „Geborgen bis zuletzt“ begrüßt die Teilnehmenden und die Verstorbenen werden mit Gebet und Psalmen verabschiedet. Wer von den Gästen möchte, spricht ein paar Worte. Manchmal steuert jemand aus einer anderen Religionsgemeinschaft einen eigenen Ritus bei. Dann wird die Urne zum Grab begleitet und beigesetzt.

Anfangs, so berichten Mitglieder der Gruppe, kümmerten sie sich um 13 bis 20 Beisetzungen im Jahr; 2019 waren es schon 40 und in diesem Jahr bisher bereits 45 Trauerfeiern. Oft ist von den Verstorbenen nichts bekannt als Ort und Datum von Geburt und Tod – und selbst der Sterbetag lässt sich manchmal nicht genau festlegen, wenn jemand ganz allein gelebt hat. „Aber wie unbekannt der Verstorbene auch gewesen sein mag, er ist doch ein Mensch mit Würde“, beschreibt Kiene ihre Motive und die ihrer MitstreiterInnen. Sie wollen einsamen Menschen die Gewissheit vermitteln, dass niemand ganz ohne Begleitung die Welt verlassen muss.

Wiebke Barth
Foto: Irmgard Kiene





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