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Seit 35 Jahren kämpferisch und kompromissbereit am Verhandlungstisch

HILDESHEIM. „Dafür haben wir gekämpft“ – immer wieder kommt dieser Satz vor, wenn Elke Brukamp-Pals von ihren Erfahrungen in der Mitarbeitervertretung für den Kirchenkreis Hildesheim (jetzt Hildesheim-Sarstedt) und das Diakonische Werk e.V. berichtet. Seit 35 Jahren ist sie jetzt dabei, seit mehr als 40 Jahren im Beruf. Sie macht deutlich: Am Verhandlungstisch mit den Arbeitgebern gibt es nichts geschenkt. „Man muss gucken, dass man nicht über den Tisch gezogen wird“, sagt sie. Aber auch, dass die Zusammenarbeit immer vertrauensvoll gewesen sei, sie den Geist der Diakonie bei den Chefs immer erkannt habe: „Das ist hier gut gewachsen.“

Elke Brukamp-Pals im Büro der Mitarbeitervertretung in der Klosterstraße. Die räumliche Nähe zum Superintendenten und zum Regionalbischof auf dem Michaelishügel hat sie immer als Vorteil gesehen.

Die gemeinsame Mitarbeitervertretung (MAV) wird es ab Mai nicht mehr geben. Die Altenpflegeheime Am Steinberg in Hildesheim und St. Nicolai in Sarstedt, die Diakoniestationen Hildesheim und Sarstedt sowie die Tagespflege Am Steinberg sind bekanntlich von der Diakonie Leine-Innerste im Kirchenkreis Hildesheim-Sarstedt in die Trägerschaft der Diakonischen Altenhilfe Himmelsthür – Bethel im Norden (DAH) übergegangen.

Dadurch hat auch Elke Brukamp-Pals im September 2020 einen neuen Arbeitgeber bekommen, ist aber bisher übergangsweise Vorsitzende der MAV geblieben. Sie kandidiert auch in der DAH wieder für die Mitarbeitervertretung: „Es ist alles unter einem Dach und wir schauen in die Zukunft.“ Dass das Altenheim Am Steinberg Bestand hat, dass die Einrichtungen weiterhin in diakonischer Trägerschaft sind – auch so etwas, wofür sie mit dem Team der Mitarbeitervertretung gekämpft habe.

1978 kam Elke Brukamp-Pals als Altenpflegefachkraft nach Hildesheim. Sie hatte bei den Diakonissen der Kaiserswerther Schwestern gelernt, ihre Berufstätigkeit begann mit Sieben-Falten-Haube und in grauer Tracht. In Hildesheim arbeitete sie kurz im Altenheim Am Steinberg, dann ab 1979 für die Diakoniestation Marthaheim e.V. als Gemeindeschwester. „Wir haben damals in den Häusern überall mit angepackt“, erzählt sie, „haben auch mal die Hühner gefüttert.“ Im Laufe ihrer langen Berufslaufbahn hat sie zahlreiche Umstrukturierungen, Umbenennungen, Neuordnungen, Umzüge und Gesetzesänderungen in der ambulanten Pflege erlebt.

1986 rückte Elke Brukamp-Pals in die MAV nach. Die Mitarbeitervertretung kämpfte stets auch um die eigene Stellung, erstritt nach und nach ein eigenes Büro. 1990 gab es erstmals Freistellungen; insgesamt eine Stelle für das Team aus damals elf Mitgliedern und endlich 2011 die Unterstützung durch eine Verwaltungskraft: „Das war ein Highlight.“ Brukamp-Pals selbst gehörte seit 1988 als Schriftführerin zum Vorstand, wurde 2002 stellvertretende Vorsitzende und 2012 Vorsitzende. Erst seit 2011 ist sie für die Tätigkeit als Mitarbeitervertreterin ganz freigestellt. Bis dahin hat sie weiterhin in der ambulanten Pflege gearbeitet und selbst nach der Geburt ihrer Tochter 1998 war sie „ruckzuck wieder drin“.

Durch zusätzliche Ämter blickte Elke Brukamp-Pals auch über den Kirchenkreis hinaus. Sie gehörte seit 2000 der Arbeitsgemeinschaft der Mitarbeitervertretungen der Diakonischen Einrichtungen an, ab 2002 auch dem Gesamtausschuss der Mitarbeitervertretungen in der Landeskirche Hannover. Dazu war und ist sie seit Jahren Mitglied in diversen Tarifkommissionen von verdi. Bei der Neugestaltung der Arbeitsvertragsrichtlinien der Diakonie wirkte sie 2004 mit. Zu den besonderen Erfolgen am Verhandlungstisch zählt Brukamp-Pals die weitere Anbindung der Landeskirche an den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder (TV-L) und den ersten Tarifvertrag (TV-DN) für die 36000 Mitarbeitenden der Diakonie Niedersachsen 2014. Bei all dem fühlte sie sich durch das MAV-Team und durch die Gewerkschaft verdi im Rücken immer gestärkt. Eine gewerkschaftliche Anbindung sei wichtig für die Mitarbeitervertretung, meint Brukamp-Pals.

Arbeitsrecht und Tarifrecht und das Mitarbeitervertretungsrecht, das hatte sie in der Pflegeausbildung nicht gelernt. Schulungen seien für Neueinsteiger unerlässlich, betont Brukamp-Pals, und danach: „Zwei Jahre braucht man, dann wächst man da rein.“ Auf ihre Erfahrung werden auch zukünftig die beiden MAVen zählen können: „Ich bin ja nicht weg. Ich bin ja hier zu Hause.“

Das „tägliche Brot“ im MAV-Büro, das seien die Einzelberatungen, bei denen es häufig um die Abstimmung von Dienstplänen, von Arbeitszeiten, Eingruppierung, Kommunikationsprobleme auf allen Ebenen und anderes mehr gehe. Dann gelte es, verhandlungsbereit zu sein, Kompromisse zu finden. Sie hat beobachtet, dass es gerade den in der Pflege Beschäftigten schwer falle, ihre Rechte konsequent durchzusetzen, wenn sie gebraucht werden: „Sie denken, ich darf doch nicht ausfallen, dann geht es den Menschen schlecht.“

PR
Foto: Wiebke Barth




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