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Acht Prozent der Kinder in Hildesheim haben Kreidezähne

HILDESHEIM/ALFELD. Karies ist nicht das einzige Problem für Kinderzähne. Etwa 230.000 Sechs- bis Neunjährige waren bundesweit im Jahr 2019 wegen Kreidezähnen in zahnärztlicher Behandlung, davon allein über 15.000 in Niedersachsen. Mindestens sieben Prozent aller Heranwachsenden in dieser Altersgruppe in Niedersachsen wären damit von einem viel zu weichen Zahnschmelz betroffen. Kreidezähne haben einen sehr weichen Zahnschmelz, sind gelblich oder bräunlich verfärbt, sehr porös und schmerzen schon beim Putzen. Mit acht Prozent Betroffener schneidet Hildesheim schlecht ab. „Kreidezähne sind besonders kariesanfällig und bedürfen bei schwerer Ausprägung lebenslang einer Behandlung beziehungsweise Folgebehandlungen. Dass so viele Kinder davon betroffen sind, ist ein alarmierender Befund. Dabei gibt es massive regionale Unterschiede beim Auftreten, die rein medizinisch nicht erklärbar sind“, sagt Daniel Oppermann, Regionalgeschäftsführer der Barmer in Hildesheim und Alfeld.

Ursache für Kreidezähne wissenschaftlich ungeklärt

Genaue Ursachen für Kreidezähne, die Ärztinnen und Ärzte Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH) nennen, seien bislang noch nicht wissenschaftlich geklärt. Es würden verschiedene Ursachen diskutiert. „So kommen unter anderem Mikroplastik in Spielzeugen oder in kosmetischen Produkten, Kunststoffweichmacher wie Bisphenol A etwa in Babyprodukten, Probleme in der Schwangerschaft, die Einnahme von Antibiotika, aber auch Erkrankungen wie Windpocken in Frage“, so Oppermann. Kreidezähne müssten immer wieder behandelt werden. Das könne die Betroffenen und ihre Familien massiv belasten. Deshalb sei eine weitere Ursachenforschung zur Hypomineralisation dringend erforderlich. Die Versorgungsforschung mit Krankenkassendaten könne dabei helfen, typische Behandlungsmuster zu erkennen. Die Schmelzbildungsstörung bei Kreidezähnen trete meist an den ersten bleibenden Backenzähnen auf, häufig auch an den bleibenden Frontzähnen. In manchen Fällen seien schon Milchzähne betroffen, so Oppermann weiter. Sobald Kreidezähne festgestellt würden, müssten Prophylaxe-Maßnahmen verstärkt werden. Andernfalls sei das Risiko umso größer, dass die Zähne schneller porös würden und einzelne Stücke abbrächen.

Behandlungsmuster regional ungleich verteilt

Kreidezähne werden nach der BARMER-Analyse bei Kindern in manchen Bundesländern beinahe doppelt so häufig vermutet wie in anderen Regionen. Diesen Schluss lassen aktuelle Untersuchungen zu. Dabei wurde nach Mustern gesucht, die für die Behandlung der MIH typisch sind. So reichte der Anteil der Sechs- bis Neunjährigen mit einer behandlungsbedürftigen MIH im Jahr 2019 von 5,5 Prozent in Hamburg, 5,9 Prozent in Bremen, 7,0 Prozent in Niedersachsen bis hin zu 10,2 Prozent in Nordrhein-Westfalen. Demnach wären vor allem Heranwachsende im Westen und Nordosten Deutschlands von schwerer MIH betroffen.

Einkommensstarke und -schwache Familien betroffen

Weiter geht aus der Analyse hervor, dass sowohl Kinder aus einkommensschwachen als auch aus sehr einkommensstarken Elternhäusern verstärkt wegen Kreidezähnen behandelt werden. „MIH scheint auch bei Kindern aus wohlhabenden Elternhäusern häufiger aufzutreten. Dabei sind einige Studien bisher davon ausgegangen, dass Kinder aus einkommensschwachen Schichten besonders betroffen sind“, sagt Oppermann.

BARMER forscht nach Ursachen

Kreidezähne sind laut der BARMER-Auswertung damit insgesamt ein großes Gesundheitsproblem geworden. Vertiefende Analysen zu potenziellen Ursachen wird die BARMER im Zahnreport 2021 präsentieren können. „Gemeinsam mit Expertinnen und Experten verschiedener Fachrichtungen versuchen wir, den Ursachen für Kreidezähne weiter auf die Spur zu kommen“, so Oppermann. Dabei sind die Forscherinnen und Forscher zuversichtlich, unter Nutzung von BARMER-Daten wichtige Zusammenhänge zur Entstehung dieser Erkrankung aufdecken zu können.

Zahlen aus dem Zahnreport

Karies verschleißt die Zahnsubstanz, laut aktuellem BARMER Zahnreport 2021 erhielten 26,1 Prozent der Zahnarztbesucher deutschlandweit im Jahr 2019 mindestens eine Füllung. “In Niedersachsen waren es 25,1 Prozent“, sagt Oppermann. Ob Niedersachsen und Niedersächsinnen nun besser erhaltene Gebisse haben als der Rest der Republik lässt sich aus der Studie nicht ableiten. Denn im Land wird der Zahnarzt beispielsweise etwas weniger konsultiert als im Bund. Während sich in ganz Deutschland 70,7 Prozent der Versicherten beim Zahnarzt behandeln ließen, waren es in Niedersachsen insgesamt 68,5 Prozent.

In Niedersachsen wird viel geröntgt

Mindestens ein Zahn wurden 8,2 Prozent der Zahnarztpatienten im Bund gezogen. In Niedersachsen lag die Quote mit 8,1 Prozent etwas unter dem Deutschlandniveau. Auch bei der Zahnsteinentfernung liegen die Niedersachsen mit 40,6 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt von 47,3 Prozent. Allerdings mussten sich 5,5 Prozent der Zahnarztbesucher in Niedersachsen einer Wurzelbehandlung unterziehen. In ganz Deutschland lag die Quote bei „nur“ 5,2 Prozent. Die Panoramaschichtaufnahme stellt eine der teuersten von Vertragszahnärzten abgerechneten Röntgenleistungen dar. Hierbei handelt es sich um eine Rundum-Röntgenaufnahme der Ober- und Unterkiefer mit sämtlichen Zähnen, die gewonnen wird, indem die Aufnahmeeinheit um den Kopf des Patienten halbkreisförmig herumfährt. Sie wird beispielsweise im Rahmen der Versorgung mit Implantaten oder Brücken eingesetzt. Ein steigender Anteil von 9,7 Prozent der deutschen Bevölkerung hat sie mindestens einmal im Jahr in Anspruch genommen. Das regionale Muster der Inanspruchnahme dieser Leistung nach Ländern unterscheidet sich deutlich vom Muster der anderen untersuchten Leistungen. Sind bei der Leistungsinanspruchnahme sonst eher Ost/West-Unterschiede beobachtbar, fallen hier eher Nord/Süd-Unterschiede mit höheren Behandlungsraten im Norden auf. Hier führt Bremen die bundesweite Statistik wie in den Vorjahren mit 13,2 Prozent vor Niedersachsen mit 12,2 Prozent an.

Weitere Informationen zum BARMER Zahnreport 2021 sind online abrufbar unter
www.barmer.de/p016898

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