Freitag, 13. März 2026

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Erneut keine Schutzräume bei Hitze – Wohnungslosenhilfe in Hildesheim übt scharfe Kritik

Trotz der aktuellen amtlichen Warnung des Deutschen Wetterdienstes vor extremer Hitze, die seit Mittwochvormittag für ganz Niedersachsen gilt, gibt es in Hildesheim auch am heutigen Mittwoch (13. August) keine öffentlich zugänglichen Schutzräume zur Abkühlung. Die Selbstorganisierte Wohnungslosenhilfe kritisiert dieses anhaltende strukturelle Defizit scharf – insbesondere im Hinblick auf besonders schutzbedürftige Menschen wie Wohnungs- und Obdachlose.

In einer Stellungnahme, die von Swen Huchatz im Namen der Randnotiz Hildesheim veröffentlicht wurde, heißt es, dass in der Stadt erneut keine Maßnahmen getroffen wurden, um Schutz vor der gesundheitlich gefährlichen Hitze zu bieten. Es mangele nicht nur an geeigneten Räumen, sondern auch an zugänglicher, mehrsprachiger und barrierefreier Information über Verhaltensregeln bei Hitze.

„Außer der sozialen Kälte gibt es für Menschen ohne Wohnung keine Abkühlung“, heißt es in dem offenen Schreiben. Selbst in bestehenden Notunterkünften sei keine Kühlung vorgesehen. Die angestaute Hitze in den oft überfüllten Räumen stelle ein zusätzliches Gesundheitsrisiko dar – insbesondere für ältere oder gesundheitlich eingeschränkte Menschen.

Zudem kritisiert Huchatz die fehlende Ansprache nicht-männlich gelesener Personen in den vorhandenen Einrichtungen sowie die Tatsache, dass außerhalb der Öffnungszeiten (werktags von 15 bis 9 Uhr) keinerlei Schutzangebote verfügbar seien.

In der Kritik stehen neben dem Landkreis und der Stadtspitze auch verschiedene soziale Einrichtungen und deren Träger, darunter:

  • Landrat Bernd Lynack
  • Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer
  • Sozialdezernent Malte Spitzer
  • Daniela Knoop (Herberge zur Heimat / Tagestreff Lobby)
  • Verantwortliche der ambulanten Wohnungslosenhilfe Hildesheim
  • Die Leitung des Café Hotspot, einer Anlaufstelle für unter 25-Jährige ohne Wohnung

Huchatz wirft diesen Akteurinnen und Akteuren vor, Verantwortung von sich zu weisen, obwohl die Einrichtungen staatlich finanziert seien und über entsprechende Mittel verfügten. Das Vorenthalten von Schutzräumen wertet er als „vorsätzliche Unterlassung von Hilfsmaßnahmen“.

Die Kritik richtet sich nicht nur an die fehlende Versorgung von Obdachlosen, sondern betont ausdrücklich, dass Hitzeschutz ein gesundheitliches Grundbedürfnis aller Menschen sei – unabhängig von ihrer Wohnsituation. In der aktuellen Ausgestaltung würden zentrale Grund- und Menschenrechte verletzt, insbesondere Artikel 1 des Grundgesetzes, der die Unantastbarkeit der Menschenwürde garantiert.

Huchatz fordert daher nicht nur die sofortige Öffnung geeigneter Schutzräume, sondern auch den Rücktritt der politisch Verantwortlichen sowie eine Neuausrichtung der Wohnungslosenhilfe in Hildesheim. Die bisherigen Strukturen seien nicht an den realen Bedürfnissen der Menschen orientiert und müssten dringend überdacht werden. Darüber hinaus fordert er eine transparente Aufstellung der eingesetzten öffentlichen Mittel.

Bislang liegt keine offizielle Stellungnahme der Stadt Hildesheim oder des Landkreises zu den Vorwürfen vor. Die Wetterlage mit Temperaturen deutlich über 30 Grad soll laut DWD auch am Donnerstag anhalten.

Redaktion
Hildesheimer Presse
Foto: Gemini