Gewalt gegen Frauen: Auch in Hildesheim wächst der Druck zum Handeln
Gewalt gegen Frauen bleibt auch in Hildesheim ein dauerhaftes gesellschaftliches Thema. Beratungsstellen, Vereine, Polizei und Initiativen machen seit Jahren auf häusliche, sexualisierte und digitale Gewalt aufmerksam. In den vergangenen Monaten rückte insbesondere digitale Gewalt stärker in den Fokus der öffentlichen Debatte – ausgelöst unter anderem durch bundesweite Berichte über mutmaßlichen Identitätsmissbrauch und Bedrohungen gegen die Schauspielerin Collien Fernandes.
Auch regional wird das Thema immer wieder aufgegriffen. Die Hildesheimer Presse berichtete in den vergangenen Jahren mehrfach über Aktionen rund um die sogenannten „Orange Days“, den internationalen Aktionstag gegen Gewalt an Frauen am 25. November. Dabei beteiligten sich in Stadt und Landkreis Hildesheim zahlreiche Organisationen, Kirchen, Vereine und Initiativen mit Mahnwachen, Informationsständen und öffentlichen Aktionen.
Besonders sichtbar wurden die Aktionen zuletzt durch orange beleuchtete Gebäude, Informationskampagnen und sogenannte Brötchentütenaktionen. Dabei wurden in Bäckereien Tüten mit Hilfsnummern und Informationen gegen Gewalt verteilt. Ziel dieser Kampagnen ist es, Betroffene niedrigschwellig auf Unterstützungsangebote aufmerksam zu machen.
Nach Angaben der Polizei bleibt die Zahl der Fälle häuslicher Gewalt in der Region hoch. In der Polizeilichen Kriminalstatistik 2025 der Polizeiinspektion Hildesheim wurden 1.208 Fälle häuslicher Gewalt registriert. Die Polizei sprach dabei weiterhin von einem „bedenklich hohen Niveau“. Gleichzeitig verwiesen die Ermittler auf die Bedeutung niedrigschwelliger Hilfsangebote und verstärkter Netzwerkarbeit.
Das Thema wird in Hildesheim seit vielen Jahren von einem breiten Netzwerk getragen. Das „Hildesheimer Aktionsbündnis gegen Gewalt an Frauen“ besteht inzwischen aus mehr als 30 Organisationen und Einrichtungen – darunter Beratungsstellen, Kirchen, soziale Träger, Frauenverbände, Polizei, Gewerkschaften und politische Organisationen. Neben konkreter Hilfe für Betroffene organisiert das Bündnis regelmäßig öffentliche Aktionen, Vorträge und Informationsveranstaltungen.
Ein wichtiger Bestandteil der regionalen Unterstützung bleibt das Frauenhaus Hildesheim. Der Verein bietet Schutz und Beratung für Frauen und Kinder, die von häuslicher Gewalt betroffen oder bedroht sind. Zum Angebot gehören neben dem Frauenhaus auch Beratungs- und Interventionsstellen.
Zunehmend thematisiert werden dabei auch Formen digitaler Gewalt. Fachstellen warnen davor, dass Bedrohungen über soziale Netzwerke, Stalking per Messenger, Kontrolle von Smartphones oder die Veröffentlichung persönlicher Daten für Betroffene erhebliche psychische Folgen haben können. Gerade diese Formen der Gewalt blieben häufig lange unsichtbar.
Mit Blick auf die öffentliche Diskussion rufen Initiativen und Beratungsstellen deshalb dazu auf, Hilfsangebote stärker bekannt zu machen. Dazu gehört insbesondere das bundesweite Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“.
Unter der Rufnummer 116 016 erhalten Betroffene anonym, kostenfrei und rund um die Uhr Beratung – telefonisch oder online per Chat und E-Mail. Das Angebot richtet sich nicht nur an betroffene Frauen, sondern auch an Angehörige, Freunde und Fachkräfte.
Die Farbe Orange steht international symbolisch für eine Zukunft ohne Gewalt gegen Frauen. Auch in Hildesheim soll sie weiterhin sichtbar bleiben – als Zeichen gegen Gewalt und für mehr Aufmerksamkeit im Alltag.
Redaktion
Hildesheimer Presse
Foto: Hilfetelefon
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