„Wissen ist die Grundlage von Verständnis“

GÖTTINGEN. In Städten treffen Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion auf engem Raum zusammen. Bedeutet diese Vielfalt einerseits eine große Bereicherung für die Gesellschaft, so kann sie im Alltag andererseits auch immer wieder zu Missverständnissen und Unsicherheiten führen. Dabei kann es vor dem Hintergrund kultureller und religiöser Differenzen immer wieder zu Konflikten kommen, die ohne das moderierende Eingreifen Dritter nicht mehr geschlichtet werden können. In Extremsituationen ist das in der Regel die Polizei. Umso wichtiger ist es, dass Polizeibeamtinnen und -beamte die Hintergründe dieser oftmals sehr emotionalen Konflikte erkennen und angemessen darauf reagieren können.

Prof. Dr. Hiltraud Casper-Hehne, Vizepräsidentin der Georg-August-Universität Göttingen, begrüßt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Symposiums
Polizeipräsident Uwe Lührig, Präsident der Polizeidirektion Göttingen, bei der Eröffnung des Symposiums

Daher hat die Polizeidirektion Göttingen am 19. September 2019 gemeinsam mit der Georg-August-Universität das Symposium „Religiöse Minderheiten in der Stadt“ durchgeführt. In den historischen Räumlichkeiten der Paulinerkirche kamen etwa 80 Fachleute aus den Bereichen der Wissenschaft, der Polizei, der Flüchtlingshilfe, der Politik und der öffentlichen Verwaltung zusammen, um sich über die Hintergründe und den Umgang mit entsprechenden Konfliktfeldern auszutauschen.

Das Symposium diente dem interdisziplinären Austausch zwischen Wissenschaft, Polizei, Flüchtlingshilfe, Politik und öffentlicher Verwaltung.

Im Rahmen ihres Grußwortes erklärte Prof. Dr. Hiltraud Casper-Hehne, Vizepräsidentin der Georg-August-Universität Göttingen, dass sie es als Teil der gesellschaftlichen Verantwortung der Wissenschaft betrachte, mit Veranstaltungen wie diesem Symposium zum Zusammenhalt einer Gesellschaft beizutragen. Auch Uwe Lührig, Präsident der Polizeidirektion Göttingen, bekräftigte bei der Begrüßung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die Bedeutung der interdisziplinären Zusammenarbeit im Bereich des interkulturellen Dialogs. Gerade für die Polizeiarbeit, die häufig davon geprägt sei, mit Konfliktsituationen konfrontiert zu werden, sei es wichtig, sich tiefgehend mit den eigenen und fremden kulturellen Prägungen auseinanderzusetzen.

Zu Beginn des Symposiums stellten vier Fachvorträge die Perspektiven der Wissenschaft, der Polizei, der öffentlichen Verwaltung sowie der Flüchtlingsarbeit auf das Thema des Symposiums dar. Nach einer theoretischen Einführung wurde dabei stets auch der unmittelbare Bezug zur Praxis hergestellt. Die Rednerinnen und Redner verdeutlichten unter anderem, dass unterschiedliche kulturelle und religiöse Prägungen im städtischen Ballungsräumen mit besonderer Intensität aufeinanderträfen. Die Religion spiele auch in modernen Gesellschaften eine wesentliche Rolle für die persönliche Identität und das soziale Zugehörigkeitsgefühl vieler Menschen. Daher könne sie auch immer wieder Auslöser von Konflikten werden. Da religiöse Minderheiten überwiegend aus zugewanderten Menschen bestünden, würden hierzulande auch importierte Konflikte ausgetragen, deren Ursprung in anderen Teilen der Welt liege. Auch der schnelle Informationsaustausch in den digitalen Medien trage dazu bei, dass sich räumlich entfernte Ereignisse binnen kurzer Zeit auch hier in Auseinandersetzungen betroffener Personen oder Personengruppen niederschlügen. Im Zuge der Vorträge wurde auch hervorgehoben, dass die Religion neben anderen sozialen und kulturellen Eigenschaften nur ein Faktor komplexer Konflikte sei. Um diese zu moderieren sei es sowohl in der Sozialen als auch der polizeilichen Arbeit unerlässlich, sich den Herausforderungen aus verschiedenen Perspektiven zu nähern.

Daher nutzten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach den einführenden Beiträgen die Gelegenheit, sich in Workshops intensiv über Erfahrungen aus der eigenen Arbeit auszutauschen und interdisziplinäre Lösungsansätze zu entwickeln.

„Ich bin überzeugt, dass ein bewusster und sensibler Umgang mit kulturellen und religiösen Konflikten in der Polizeiarbeit künftig weiter an Bedeutung gewinnen wird.“, erklärte Polizeipräsident Lührig im Anschluss an das Symposium. „Fundiertes Wissen ist dabei der Schlüssel zu gegenseitigem Verständnis, sowohl fremder als auch eigener Prägungen. Nur so ist es möglich, mit Menschen jeden Hintergrunds in einen vertrauensvollen Dialog zu treten und in Akutsituationen schnell die angemessenen Maßnahmen ergreifen zu können.“ Im Hinblick auf das Symposium betonte er zudem. „Die heutige Veranstaltung zeigt wie wichtig es ist, dass die Polizei den Horizont in Fragen des Interkulturellen Dialogs auch um Perspektiven aus anderen Fachbereichen erweitert. Mein besonderer Dank gilt daher der Georg-August-Universität Göttingen für die Kooperation und Unterstützung im Rahmen der Veranstaltung. Die Polizeidirektion Göttingen würde sich sehr freuen, diese ausgezeichnete Zusammenarbeit auch in künftigen Projekten fortzusetzen.“

ots

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