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Verkehrsunfallstatistik 2023 der Polizeiinspektion Hildesheim

Durch den Wegfall aller pandemiebedingten Einschränkungen und die Rückkehr zu einer normalen Intensität im öffentlichen Straßenverkehrsraum sind landesweit und damit einhergehend auch innerhalb des Zuständigkeitsbereiches der Polizeiinspektion Hildesheim wieder steigende Unfallzahlen registriert worden. „In den Jahren vor der Corona-Pandemie wurden 7.800 Unfälle polizeilich aufgenommen – im Betrachtungsjahr 2023 sind wir mit 7.760 Schadensfällen leider fast wieder auf einem vorpandemischen Niveau angekommen“, so Polizeidirektor (PD) Cord Stünkel, Leiter Einsatz der Polizeiinspektion Hildesheim. Die Gesamtunfallzahlen stiegen im Vergleich zum Vorjahr (7.316 Unfälle) um ca. 6 % an. Hierbei ereigneten sich 5.306 innerhalb und 1.748 Verkehrsunfälle außerhalb geschlossener Ortschaften. Darüber hinaus wurden 706 Verkehrsunfälle auf den Bundesautobahnen (BAB) 7 und 39 in dem Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Hildesheim aufgenommen.

Erheblicher Rückgang der Verkehrsunfälle mit schweren Personenschäden (VUSP)

Verkehrsunfälle mit schweren Personenschäden sind solche, bei denen mindestens eine Person schwere Verletzungen erleidet oder sogar verstirbt. Als schwer im Sinne der polizeilichen Unfallstatistik werden Verletzungen bezeichnet, in deren Folge die betroffenen Personen mindestens 24 Stunden stationär in einem Krankenhaus aufgenommen werden. Hierbei kann es sich auch um Vorsichtsmaßnahmen nach einem sog. Polytrauma handeln.

In diesem Kontext führt PD Cord Stünkel an: „Jeder Verkehrsunfall gerade mit schweren Folgen für Leib und Leben der Verkehrsteilnehmer ist einer zu viel -sowohl in der Gesamtzahl als auch in der Einzelfallbetrachtung konnte ein erheblicher Rückgang festgestellt werden“.

Im Berichtsjahr 2023 wurden 161 Verkehrsunfälle mit schwerem Personenschaden im Vergleich zu 177 Unfällen im Vorjahr erfasst. Bei 152 dieser Unfälle ist mindestens eine Person schwer verletzt worden. Seit den bis in das Jahr 1977 zurückgehenden Aufzeichnungen im Sachgebiet Verkehr der Polizeiinspektion Hildesheim wurde hierbei mit neun tödlichen Verkehrsunfällen (im Vorjahr 13 Verkehrstote bei 12 Unfällen) erst zum zweiten Mal ein einstelliger Wert dokumentiert. „Besonders die Verkehrsunfälle mit schweren Prersonenschäden unterliegen einer detaillierten Auswertung für Folgemaßnahmen im Rahmen der vielfältigen Verkehrssicherheitsarbeit unserer Polizei“, so Cord Stünkel.

Die Auswertung der neun Verkehrsunfälle mit verstorbenen Personen zeigt, dass sich alle dieser Schadensfälle tagsüber sowie in acht von neun Fällen außerhalb geschlossener Ortschaften ereigneten. Die Altersspanne der Verstorbenen erstreckt sich hierbei von 21 bis 83 Jahren. In sieben Fällen verstarb die unfallverursachende Person. Obwohl besonders Verkehrsunfälle auf Bundesautobahnen (BAB) aufgrund der in der Regel hohen Geschwindigkeiten häufig schwere Personenschäden nach sich ziehen, ereignete sich im Berichtsjahr 2023 kein Verkehrsunfall mit tödlichem Ausgang auf den beiden Autobahnen im Zuständigkeitsgebiet der Polizeiinspektion Hildesheim.

Hauptunfallursache Geschwindigkeit rückt wieder in den Fokus

Die Anzahl der Vorfahrts- und Abbiegeverstöße als Hauptunfallursache blieb im Berichtsjahr 2023 nahezu auf dem Niveau des Vorjahres. Mit einem Anstieg von 668 Unfällen mit zu geringem Abstand auf das vorausfahrende Fahrzeug im Jahr 2022 auf 944 Verkehrsunfälle dieser Art im Jahr 2023 (z.B. alle Auffahrunfälle oder Fehler beim Vorbeifahren) ist in diesem Ursachenbereich der höchste Anstieg zu verzeichnen. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass vor allem Auffahrunfälle in der Regel im Vergleich zu den weiteren Hauptunfallursachen geringere Sach- und Personenschäden hervorrufen. War die Anzahl der Verkehrsunfälle mit der Unfallursache „Geschwindigkeit“ von 2021 auf 2022 noch von 438 auf 287 zurückgegangen, sind für das Betrachtungsjahr 2023 423 Schadensfälle in diesem Segment zu verzeichnen. Hierbei wurden 26 Personen schwer sowie vier Personen tödlich verletzt. „Geschwindigkeitsverstöße sind wieder in den Fokus gerückt – dabei bedeutet eine angepasste Geschwindigkeit immer eine gute Reaktionsmöglichkeit auf Unvorhersehbares. So wird eben Schlimmeres verhindert“, sagte Cord Stünkel.

Auch wer sich an die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit hält, kann trotzdem zu schnell sein. Die Straßenverkehrsordnung gibt vor, dass die tatsächlich gefahrene Geschwindigkeit immer den Straßen-, Witterungs-, Sicht und Verkehrsverhältnissen anzupassen ist. In diesem Kontext ist festzustellen, dass sich von den 423 Unfällen mit zu hoher bzw. nicht angepasster Geschwindigkeit als Unfallursache 226 bei nasser bzw. feuchter und 104 bei winterglatter Fahrbahn ereignet haben. Vor allem bei Verkehrsunfällen mit nicht lageangepasster Geschwindigkeit steht weiterhin die Risikogruppe „junge Fahranfänger“ von 18-24 Jahren mit fast einem Drittel der Unfallverursacher im Fokus. Bei den von dieser Personengruppe insgesamt verursachten 131 Verkehrsunfällen mit nicht angepasster oder zu hoher Geschwindigkeit wurden sechs Menschen schwer verletzt, eine Person verstarb.

Im gesamten Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Hildesheim wurden im Jahr 2023 insgesamt 7.313 Geschwindigkeitsverstöße geahndet. Genau 200 Verkehrsteilnehmende müssen in der Konsequenz mit einem Fahrverbot rechnen. Dies gilt besonders für einen BMW-Fahrer aus dem Landkreis Hildesheim, der auf der B 494 bei erlaubten 70 km/h mit einer vorwerfbaren Geschwindigkeit von 154 km/h festgestellt wurde. Diese 84 km/h über der zulässigen Höchstgeschwindigkeit ziehen in der Regel ein Bußgeld von 700 Euro und ein dreimonatiges Fahrverbot nach sich.

PD Cord Stünkel: „Festgestellte Verstöße bei Geschwindigkeitskontrollen müssen auch für jeden und überall den Zweck der Selbstreflexion haben – man riskiert sein Leben oder das von Anderen. Die aktuellen Unfallzahlen und die Ergebnisse der letzten Verkehrssicherheitswochen der Polizeidienststellen im gesamtem Landkreis bestätigen uns dahingehend, diese Kontrollaktivitäten auf einem hohen Niveau auch in diesem Jahr fortzusetzen.“

19 % weniger Unfälle unter Alkoholbeeinflussung

Der Schwerpunkt der Verkehrssicherheitsarbeit in Niedersachsen lag und liegt auch im Jahr 2024 weiter im Bereich der Fahrtüchtigkeit im Straßenverkehr. „Die absolute und uneingeschränkte Fahrtüchtigkeit ist die wesentliche Voraussetzung, um am öffentlichen Straßenverkehr sicher und umsichtig teilnehmen zu können“, sagte Günther Sievert, zuständig für das Sachgebiet Verkehr bei der Polizeiinspektion Hildesheim.

Die Unfallursache Alkohol wurde im Betrachtungsjahr 2023 bei 91 Schadensfällen ermittelt. Gegenüber dem Vorjahr zu 113 Unfällen unter dem Einfluss von alkoholischen Getränken ist dies ein Rückgang von über 19 %. Hierbei wurden keine Personen tödlich, jedoch neun Menschen schwer verletzt.

Dem gegenüber steht jedoch bei den Unfällen unter Betäubungsmittel- oder Medikamenteneinfluss eine Steigerung von 13 Fällen im Jahr 2022 auf 32 Fällen im Jahr 2023.

„Es passiert leider viel zu oft, dass Verkehrsteilnehmende sich nicht fahrtüchtig an das Steuer setzen. Allein zur Bewusstseinsstärkung ist es unerlässlich, diese Thematik weiter in der Verkehrsüberwachung und der Verkehrssicherheitsberatung präsent zu halten – und vermutlich mit Einführung des Cannabis-Gesetzes noch zu forcieren“, so der Leiter Einsatz der Polizeiinspektion Hildesheim.

Im Rahmen der allgemeinen Verkehrsüberwachung und bei Schwerpunktkontrollen konnten durch Kolleginnen und Kollegen der Polizeiinspektion Hildesheim darüber hinaus 307 folgenlose Fahrten unter Alkohol- und 214 unter Drogenbeeinflussung zur Anzeige gebracht werden.

Die Überprüfung der Fahrtüchtigkeit von Fahrzeugführerinnen und Fahrzeugführern wird auch im Jahr 2024, ebenso vor dem Hintergrund des zum 01.04.2024 in Kraft getretenen Konsumcannabisgesetzes, in den gängigen Ablauf bei allgemeinen sowie verdachtsabhängigen Verkehrskontrollen implementiert.

Baumunfälle nehmen zu

Verkehrsunfälle mit einem Abkommen von der Fahrbahn und anschließender Kollision mit einem Baum nahmen im Vergleich zum Jahr 2022 in Stadt und Landkreis Hildesheim um 15 Schadensfälle zu. Bei insgesamt 117 Unfällen dieser Art starben vier Menschen und 27 wurden schwerverletzt.

„Das Abkommen von der Fahrbahn kann vielfältige Gründe haben – das Antreffen an einen Baum erhöht indes das Verletzungsrisiko und die Erhöhung des wirtschaftlichen Schadens“, so Günter Sievert, Sachbereich Verkehr der Polizeiinspektion Hildesheim. Neben zu hoher bzw. nicht angepasster Geschwindigkeit kann Ablenkung, z.B. durch die Handy-Nutzung während der Fahrt, eine Rolle spielen. Im Rahmen der Verkehrsüberwachung konnten im Jahr 2023 durch die Polizeiinspektion Hildesheim insgesamt 975 Handy- und 1340 Gurtverstöße festgestellt werden.

In diesem Kontext verweist du Polizei auf die präventive Wirkung des verpflichtend anzulegenden Sicherheitsgurtes beim Führen von und Mitfahren in Kraftfahrzeugen. Hierdurch wird die Gefahr von schweren Verletzungen im Rahmen eines Verkehrsunfalls deutlich reduziert.

Wildunfallzahlen stagnieren

Die Anzahl der Wildunfälle für das Jahr 2023 ist mit insgesamt 871 Schadensfällen zu 860 im Vorjahr nahezu stagnierend.

Weil das Projekt des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung der Stiftung der Tierärztlichen Hochschule Hannover mit dem Einsatz von olfaktorischen Vergrämungsmitteln – also handelsüblichen, für Wildtiere unangenehm riechenden Substanzen – im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Hildesheim fortgesetzt wird, konnten durch Auswertungen insgesamt sieben besonders von Wildtieren frequentierte Bereiche identifiziert werden. Auf diesen sieben Streckenabschnitten wird nun in enger Abstimmung mit den Verkehrsbehörden und den Straßenbaulastträgern das Verkehrszeichen „Wildwechsel“ (Verkehrszeichen 142) installiert. „Das VZ 142 soll jeden Verkehrsteilnehmenden sensibilisieren und neben der Aufmerksamkeitserhöhung auch eine Geschwindigkeitsreduzierung zur Folge haben“, sagte Günter Sievert.

Unfälle mit Radfahrenden steigen

„Der Radverkehr nimmt zu – die realen Unfallzahlen minimal auch,“ so PD Cord Stünkel.

In der Hildesheimer Statistik sind die „normalen“ Fahrräder noch wesentlich öfter unfallbeteiligt als sog. Pedelecs. Im Jahr 2023 wurden 323 Unfälle mit einem Fahrrad und/oder einem Pedelec registriert (im Vorjahr 308). Wieder gab es hierbei Konstellationen, bei denen zwei Radfahrende bzw. Rad- und Pedelecfahrende unmittelbar am Verkehrsunfall beteiligt waren. Bei den 268 Unfällen mit Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrern wurden 17 schwer- und 163 leichtverletzt. Mit einem Pedelec wurden bei 58 Unfällen zwölf Menschen schwer- und 38 leichtverletzt. Verkehrstote wurden im Jahr 2023 bei Verkehrsunfällen mit Fahrrädern und Pedelecs nicht verzeichnet.

Die Verkehrsüberwachung der Polizei widmet sich auch den Radfahrenden. Im Jahr 2023 wurden 1.791 Fahrräder kontrolliert, von denen 495 technische Mängel aufwiesen. Bei 709 Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrern wurden vielfältige Verstöße wie die Handy-Nutzung am Lenker oder Beleuchtungsdefekte geahndet. 328 Pedelec-Fahrerinnen bzw. Fahrer wurden kontrolliert. Hierbei wurden 88 Verstöße der Fahrzeugführerinnen und Fahrzeugführer sowie 34 technische Mängel der Pedelecs festgestellt.

Verkehrsunfälle mit E-Scootern aufsteigend

In der Stadt und im Landkreis Hildesheim wurden im letzten Jahr 45 Verkehrsunfälle mit E-Scootern polizeilich bekannt und aufgenommen (Vorjahr: 36). Dabei wurden zwei Personen schwer- und 21 leichtverletzt.

„E-Scooter sind Kraftfahrzeuge mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von mehr als 6 Km/h, so dass eine gültige Haftpflichtversicherung jederzeit erforderlich ist“, so PD Cord Stünkel. Im letzten Jahr wurden wegen eines Verstoßes gegen das Pflichtversicherungsgesetz insgesamt 217 Strafanzeigen gefertigt. Bei Kontrollen dieser Verkehrsbeteiligungsart fuhren im Jahr 2023 39 Fahrzeugführerinnen und Fahrzeugführer unter Alkohol- und die genau gleiche Anzahl unter Drogeneinfluss.

Verkehrsprävention auch in 2024 Aufgabenschwerpunkt der Hildesheimer Polizei

Das Ziel der Verkehrsprävention ist die Erhöhung der Sicherheit auf den Straßen und die verantwortungsvolle Teilnahme am Straßenverkehr. Sie richtet sich an alle Altersklassen unabhängig von ihrer individuellen Verkehrsbeteiligungsart. „Die Verkehrserziehung und -prävention bezieht sich auch zukünftig auf alle Zielgruppen“, sagte Christian Koplin, Verkehrssicherheitsberater der PI Hildesheim. Besonders der Verkehrssicherheitsberater und Kontaktbereichsbeamte gehen in die Grundschulen, in Berufs- und Fahrschulen, um auszubilden und Vorträge zu halten. Beliebt sind weiter Angebote mit der Deutschen Verkehrswacht Hildesheim e.V. als Kooperationspartner bei Seminaren wie „Fit im Auto“ oder „Fit mit dem Pedelec“.

Fazit

Nach dem Wegfall der Einschränkungen der Corona-Pandemie und den damit einhergegangenen veränderten Rahmenbedingungen normalisierte sich die Intensität der Mobilität im Straßenverkehr im Berichtsjahr 2023 wieder. Trotz gestiegener Gesamtunfallzahlen im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Hildesheim konnten erfreulicherweise erhebliche Rückgänge bei der Anzahl der Verkehrsunfälle mit schwerem Personenschaden registriert werden. Die ganzheitliche Verkehrssicherheitsarbeit mit all ihren Facetten ist und bleibt weiterhin ein Hauptaspekt der Polizeiarbeit. Mit dem Appell zur „gegenseitigen Rücksichtnahme“ wurde das Leitthema für das Jahr 2023 bei allen repressiven und präventiven Maßnahmen eingebracht.

Auch im Jahr 2024 wird die Polizeiinspektion Hildesheim eine ganzheitliche Ausrichtung der Präventionsarbeit im Straßenverkehr anstreben, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen sowie das Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger im Landkreis Hildesheim weiterhin positiv zu beeinflussen.

„In der Verkehrssicherheitsarbeit liegt der landesweite Schwerpunkt in diesem Jahr auf Geschwindigkeit und Fahrtüchtigkeit. Wir werden diese beiden Themen verstärkt in den Fokus nehmen und bei Verkehrskontrollen und Verkehrssicherheitswochen intensiv ahnden, um die Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer zu einem Umdenken zu bewegen und so Unfällen vorzubeugen“, sagt Tanja Wulff-Bruhn, Präsidentin der Polizeidirektion Göttingen.

ots
Foto: Hildesheimer Presse

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