Dienstag, 6. Oktober 2026

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PISA-Ergebnisse: Keine neue Leistungsdebatte auf dem Rücken der Schülerinnen und Schüler

Die aktuellen PISA-Ergebnisse zeigen erneut deutliche Herausforderungen für das deutsche Bildungssystem. Für den Landesschülerrat Niedersachsen steht fest: Die Ergebnisse müssen ernst genommen werden. Sie dürfen aber nicht zum Ausgangspunkt einer neuen Leistungsdebatte werden, in der einer ganzen Generation mangelnde Leistungsbereitschaft oder fehlender Bildungswille vorgeworfen wird.

„Lernen hat sich verändert. Schülerinnen und Schüler wachsen heute in einer digitalen Welt auf, in der Wissen jederzeit verfügbar ist, Künstliche Intelligenz zunehmend zum Alltag gehört und Informationen innerhalb weniger Sekunden abgerufen werden können. Lernen funktioniert heute teilweise anders als noch vor einigen Generationen. Das müssen wir berücksichtigen, wenn wir über Bildungsleistungen sprechen und Vergleiche über Jahrzehnte ziehen“, erklärt Theo Büdden, Vorstandsmitglied des Landesschülerrats Niedersachsen.

Das bedeutet nicht, schlechte Ergebnisse kleinzureden. Grundlegende Kompetenzen im Lesen, in Mathematik und in den Naturwissenschaften bleiben unverzichtbar. Gleichzeitig muss sich die Frage, was gute Bildung und Leistung im 21. Jahrhundert ausmacht, weiterentwickeln. Neben Fachwissen gewinnen der kritische Umgang mit Informationen, Medienkompetenz, Problemlösefähigkeit und ein verantwortungsvoller Umgang mit Künstlicher Intelligenz erheblich an Bedeutung.

Mit dieser Veränderung des Lernens muss sich auch die Rolle von Lehrkräften weiterentwickeln. Der Landesschülerrat spricht sich in seinem Grundsatzprogramm dafür aus, Lehrkräfte stärker als Lernbegleiterinnen und Lernbegleiter zu verstehen. Ihre Aufgabe sollte nicht allein darin bestehen, Wissen zu vermitteln, sondern Schülerinnen und Schüler dabei zu unterstützen, ihren eigenen Lernprozess zunehmend selbstständig zu steuern, individuelle Stärken zu entwickeln und eigene Lernziele zu erreichen. Gerade in einer Welt, in der Wissen nahezu unbegrenzt verfügbar ist, muss Schule stärker vermitteln, wie dieses Wissen eingeordnet, hinterfragt und sinnvoll genutzt werden kann.

Der Landesschülerrat warnt deshalb ausdrücklich davor, aus den Ergebnissen die Forderung nach mehr Leistungsdruck, mehr Prüfungen oder einer pauschalen Verschärfung schulischer Anforderungen abzuleiten.

„Eine Debatte nach dem Motto ‚Die Schülerinnen und Schüler müssen einfach wieder mehr leisten‘ führt am eigentlichen Problem vorbei und wäre aus unserer Sicht sogar schädlich. Wer bessere Bildungsergebnisse möchte, muss zuerst dafür sorgen, dass Schülerinnen und Schüler unter guten Bedingungen lernen können“, sagt Otto Ellerbrock, Vorsitzender des Landesschülerrats.

In Niedersachsen sieht der Landesschülerrat dabei durchaus positive Entwicklungen. In den vergangenen Jahren wurde an verschiedenen Stellen ein Weg eingeschlagen, der Schule stärker auf individuelle Förderung, zeitgemäßes Lernen und mehr Bildungsgerechtigkeit ausrichtet. Diesen Weg gilt es konsequent weiterzugehen.

Die zentrale Aufgabe bleibt jedoch, ausreichend Personal an die Schulen zu bringen und eine verlässliche Unterrichtsversorgung sicherzustellen. Individuelle Förderung und eine stärkere Lernbegleitung können nur gelingen, wenn dafür auch die notwendigen personellen Ressourcen vorhanden sind. Dafür braucht es genügend Lehrkräfte, pädagogische Mitarbeitende, Schulsozialarbeit und weitere Fachkräfte. Wo Unterricht ausfällt oder Lerngruppen dauerhaft zu groß sind, können auch die besten pädagogischen Konzepte ihre Wirkung nicht entfalten.

Besonderen Handlungsbedarf sieht der Landesschülerrat bei der Bildungsgerechtigkeit. Noch immer hängt der Bildungserfolg in Deutschland zu stark von der sozialen Herkunft und den finanziellen Möglichkeiten der Eltern ab.

„Der Geldbeutel der Eltern darf nicht darüber entscheiden, wie erfolgreich ein Kind in unserem Bildungssystem sein kann. Wer sich Nachhilfe oder zusätzliche Förderung leisten kann, hat noch immer Vorteile. Genau diese Unterschiede muss Schule ausgleichen“, so Ellerbrock weiter.

Dafür müssen insbesondere Schulen und Schulformen, die mit größeren sozialen Herausforderungen konfrontiert sind, stärker unterstützt werden. Der Landesschülerrat fordert, Ressourcen stärker nach dem tatsächlichen Bedarf zu verteilen. Gerade außerhalb der Gymnasien braucht es eine bessere personelle Ausstattung, mehr multiprofessionelle Teams und niedrigschwellige Förderangebote. Schulen mit besonderen Herausforderungen müssen auch besondere Unterstützung erhalten.

„PISA sollte für uns kein Anlass sein, Schülerinnen und Schüler gegeneinander oder Generationen miteinander auszuspielen. Die entscheidende Frage ist nicht, ob junge Menschen heute schlechter sind als früher. Die entscheidende Frage ist, ob unser Bildungssystem mit einer veränderten Lebens- und Lernwelt Schritt hält und jedem jungen Menschen unabhängig von Herkunft und Elternhaus die bestmöglichen Chancen eröffnet“, erklärt Ellerbrock. Der Landesschülerrat Niedersachsen sieht die Ergebnisse deshalb als Auftrag, den eingeschlagenen Weg weiterzuentwickeln: mit einer verlässlichen Unterrichtsversorgung, mehr Personal, einer stärkeren Unterstützung sozial benachteiligter Schülerinnen und Schüler und einem zeitgemäßen Verständnis davon, was Lernen und Bildung in einer digitalen Welt bedeuten.

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Foto: Yamu_Jay / Pixabay

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