Corona-Brennpunkt ÜLU

HILDESHEIM. Seit der Wiedereröffnung der Berufsbildungszentren an den Standorten Hildesheim und Göttingen am 4. Mai 2020 findet der praktische Präsenzunterricht in vielen Kursen der Überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung in einer verkürzten Variante statt. In der Regel sieht diese verkürzte Variante drei anstatt fünf Werkstatttage vor. Aller Voraussicht nach wird sich an diesem Umstand auch bis zum Jahresende nichts ändern. Aufgrund der vollständigen siebenwöchigen Schließung der Bildungszentren haben sich viele ÜLU-Kurse und somit Lerninhalte für den handwerklichen Nachwuchs aufgestaut, die nun nachgeholt werden müssen. 3.700 Auszubildende müssen bis zum Jahresende ihre überbetriebliche Ausbildung fortsetzen, knapp die Hälfte davon sind Nachzügler, die während des Lockdowns weder Berufsschule noch ÜLU besuchen konnten.

Ausbildungserfolg sichern: Es geht um Zwischen- und Abschlussprüfungen

„Wir schaffen die Vorbereitung der Auszubildenden auf die Prüfungen nur, wenn wir in den betroffenen Gewerken das 3-Tage-Modell wochenfüllend fahren“, sagt Simon Kreipe, stellv. Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer. „Letztendlich hängt vom Nachholen der ausgefallenen Kurse der Ausbildungserfolg vieler Lehrlinge ab. Sollten grundlegende Ausbildungsinhalte nicht im Rahmen der regulären Ausbildungszeit vermittelt werden können, wäre das Ausbildungsziel gefährdet.“

Voller Einsatz – trotz Verkürzung: Um die Menge an Auszubildenden in der dreitägigen ÜLU-Variante beschulen zu können, wird auch an Samstagen unterrichtet.

Die Bildungszentren des Handwerks hatten für den komprimierten ÜLU-Unterricht an nur drei Präsenztagen sowohl vom Niedersächsischen Kultusministerium als auch vom Bundeswirtschaftsministerium die Genehmigungen erhalten. „Wir werden gemeinsam alles dafür tun, dass es bei der Ausbildung unserer Fachkräfte von morgen keine Einbußen bei der Qualität gibt. Der Corona-Ausbildungsjahrgang darf kein verlorener Jahrgang werden“, so Kreipe weiter. Dies sei für das Berufsbildungszentrum der Handwerkskammer auch ein Spagat zwischen Qualität und Quantität mit Blick auf die begrenzten räumlichen und personellen Kapazitäten. Um die Menge an Auszubildenden an nur drei Tagen beschulen zu können, wird daher auch an Samstagen unterrichtet.

Zusätzliches freiwilliges Online-Lernen

Um die Lehrgangsteilnehmer in dieser außer­gewöhnlichen Situation besonders bei der Erreichung ihrer Lernziele zu unterstützen, hat die Handwerkskammer mit ILIAS eine virtuelle Lernplattform konzipiert. Unter https://lernen.hwk-hildesheim.de können Auszubildende mit verkürzter 3-Tage-ÜLU den Unterricht vor- und nachbereiten oder im Selbststudium für Klausuren und Prüfungen lernen. Sie können zudem in einem Chat mit ihren Lehrwerkmeistern in Kontakt treten und fachliche Fragen stellen. Über die derzeit verschickten Einladungen zur Überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung erhalten die Teilnehmer zudem eine Anleitung zum Login sowie den Telefon- und Mail-Kontakt zum technischen Support. Mit einem Kennwort loggt sich der Auszubildende ein und hat bis zum 31. Dezember 2020 einen vollumfänglichen Zugang zu allen Lehrinhalten, die seinen Ausbildungsberuf betreffen.

Verkürzte ÜLU unterstützt Betriebe in Hochsaison

Eine Freistellung der Lehrlinge durch den Betrieb muss für das zusätzliche Online-Lernen allerdings nicht erfolgen. So können Betriebe, die entweder Aufträge nachholen müssen oder bei denen gerade erst die Hochsaison beginnt, ihre Auszubildenden besser während der regulären Wochenarbeitszeit für Arbeitseinsätze einplanen.

„Betriebliche Wissensvermittlung im Handwerk funktioniert über Mitarbeit. Das Handwerk kennt keine betrieblichen Übungswerkstätten für Azubis wie die Industrie. Im Handwerk geht es meistens direkt raus zum Kunden. Wir kommen den von Corona verunsicherten Ausbildungsbetrieben entgegen und bieten die größtmögliche Flexibilität bei der Einplanung ihrer Auszubildenden in den betrieblichen Alltag. Und zwar ohne dabei den Ausbildungserfolg zu gefährden“, sagt Kreipe. Daher sei das Online-Lernen ausdrücklich nur ein zusätzliches Angebot, nicht aber verpflichtend.

ÜLU ist Praxis und Online-ÜLU kein Zukunftsmodell

Während in vielen Bereichen die Zukunft der Lehre in ausschließlich digitalen Formaten angepriesen wird, erteilt Kreipe und mit ihm das Heinz-Piest-Institut für Handwerkstechnik der ausschließlich online durchgeführten ÜLU eine klare Absage. „Was für Teile der Meisterschule oder der Fortbildung zum Betriebswirt in unserem BBZ bereits hervorragend funktioniert, lässt sich zukünftig nicht auf die verlängerte Werkbank der Betriebe übertragen“, stellt Kreipe klar. Die Überbetriebliche Lehrlingsunterweisung vermittele ein ganzheitliches und fachpraktisches Bild eines Ausbildungsberufes. Dies sei gerade in Zeiten hochgradiger Spezialisierungen in einzelnen Gewerken und somit auch in Betrieben sehr wichtig. Nicht zuletzt sei die Handwerkskammer verpflichtet, die Lehrinhalte der verkürzten ÜLU an nur drei Tagen vollständig in Präsenz zu vermitteln. Auch wenn in den modernisierten Werkstätten des Berufsbildungszentrums immer mehr digitale Technologien in die Lehre einfließen, so wird der ÜLU-Unterricht in den Werkstätten auch in Zukunft eine ziemlich echte und handfeste Angelegenheit bleiben.

PR
Foto: HWK

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