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Regionalleitstelle führt Strukturierte Notrufabfrage ein

HILDESHEIM. Ab dem 1. April wird – wie bereits in vielen anderen Kommunen – in der Integrierten Regionalleitstelle (IRLS) Hildesheim, die gemeinsam von Stadt und Landkreis betrieben wird, eine strukturierte Notrufabfrage (SNA) eingesetzt. Damit sollen Alarmierungsabläufe vereinheitlicht werden, was nicht nur den Hilfesuchenden, sondern auch dem Rettungsdienstpersonal zugutekommt. Bundesweit werden in Rettungsleitstellen Hilfeersuchen nach bestem Wissen und Gewissen entgegengenommen und die Rettungsmittel nach der persönlichen Einschätzung des jeweiligen Einsatzbearbeitenden unter Berücksichtigung einer Alarm- und Ausrückeordnung veranlasst. Bei der persönlichen Einschätzung spielen aber sehr viele Faktoren eine Rolle, mit dem Ergebnis, dass ein und dieselben Leitstellen zu gleichen Meldebildern unterschiedliche Rettungsmittel alarmieren.

Das soll sich in der IRLS Hildesheim ab dem 1. April ändern: Dort wird dann eine strukturierte Notrufabfrage eingesetzt, die gewährleistet, dass immer dieselben Fragen gestellt werden und daraus auch dieselben Ergebnisse und Abläufe resultieren. Damit setzt die IRLS Hildesheim im Zuge ihres Modernisierungsprozesses eine Vorgabe des Landesausschusses Rettungsdienst um. Diese besagt, dass eine strukturierte und standardisierte Notrufabfrage in den niedersächsischen Leitstellen durchgeführt werden soll, um bei lebensbedrohlichen Situationen oder schwerer gesundheitlicher Schädigung schnellstens Hilfe durch den Rettungsdienst zu ermöglichen und mit Erste-Hilfe-Anleitungen (bis hin zur „Telefonreanimation“ durch die Disponentinnen/Disponenten) das therapiefreie Intervall zu verkürzen. Für den Bereich Rettungsdienst gibt es einen Mindeststandard, der abgefragt werden muss, um schnellstmöglich eine lebensbedrohliche Situation einzuschätzen.

In Zukunft wird der Standard nun deutlich angehoben: Die Disponentinnen/Disponenten erhalten einen strukturierten und softwaregeführten Abfragealgorithmus, der sie bei der Notrufabfrage unterstützt. Dieser Algorithmus deckt zusätzlich zum Bereich Rettungsdienst auch den Bereich Brandschutz und Hilfeleistung ab. Nur durch die Unterstützung einer Software (Anschaffungskosten rund 55.000 Euro, dazu kommen Schulungskosten in Höhe von etwa 15.000 Euro) können so deutlich komplexere Abfragealgorithmen umgesetzt werden. Gerade in schwierigen Situationen ist so sichergestellt, dass keine wichtigen Informationen vergessen werden können. Zudem ist der Algorithmus so intelligent, dass er je nach gewählter Antwort einen anderen Weg einschlägt. Diese einheitlich zu verwendenden softwaregestützten Abfragealgorithmen führen nicht nur zu einer Qualitätssteigerung sondern sorgen auch dafür, dass am Ende bei denselben Voraussetzungen auch immer dasselbe Rettungsmittel alarmiert wird.

In der Praxis hat das konkrete Auswirkungen: „Bisher gab es eine grobe Festlegung, zu welchem Einsatzstichwort welches Rettungsmittel alarmiert werden soll. So ist zum Beispiel zu einer ‚Verletzung Bein‘ mindestens ein Notfall-KTW gefahren. Ob dies erhöht wurde auf einen Rettungswagen oder gar einen Rettungswagen und Notarzt, lag im Ermessen des Disponenten“, erklärt Patrik Grieger (Stadt Hildesheim, Fachdienstleiter IRLS). „Es macht einen Unterschied, ob die Verletzung blutet oder nicht oder ob der Patient starke Schmerzen hat. Künftig erhält der Disponent nach seiner Notrufabfrage einen Hinweis, welches Rettungsmittel er zu alarmieren hat, und zusätzlich zu jedem Einsatzstichwort Erste-Hilfe-Hinweise, die er dem Anrufer mit auf den Weg geben kann, bevor der Notruf beendet wird. Dies geht so weit, dass bei einer Telefonreanimation der Disponent per Telefon Schritt für Schritt eine Laienreanimation anleitet und den Anrufer bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes am Telefon betreut.“

Zusätzlich führt die SNA dazu, dass die Mitarbeitenden der IRLS eine höhere Rechtssicherheit haben. Durch die von den Ärztlichen Leitern Rettungsdienst (ÄLRD) festgelegten Abfragealgorithmen liegt bei Einhalten der Vorgaben die Verantwortung für die Entscheidung, welches Rettungsmittel alarmiert wird, nicht mehr ausschließlich beim Disponenten/bei der Disponentin. Zudem wurde bisher zwar ein Einsatzprotokoll gespeichert, der genaue Wortlaut der Abfrage war jedoch nirgends dauerhaft dokumentiert. Dies ist jetzt aber der Fall, da alle abgefragten Informationen sekundengenau protokolliert werden und so später ein Notruf genau rekonstruiert werden kann, falls es zu Beschwerden oder gar einer Anzeige kommt. Schließlich führt die SNA auch dazu, dass bereits bei der Anfahrt zu einem Einsatz viel mehr medizinische Informationen vorliegen als bisher. Die Ergebnisse der Abfrage werden nämlich auf sogenannte „Pieper“ in Form eines im Rettungsdienst bekannten Schemas übertragen.

„Nach der Einführung des digitalen Notfallmanagementsystems IVENA im vergangenen Jahr ist der Start der strukturierten Notrufabfrage nun innerhalb kurzer Zeit die nächste Verbesserung in der Integrierten Regionalleitstelle Hildesheim. Damit wird unsere ohnehin schon gute Versorgung weiter optimiert, was nicht nur den Bürgerinnen und Bürgern, sondern auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Leitstelle zugutekommt“, erklärt Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer, der sich mit der Ersten Kreisrätin Evelin Wißmann vor Ort ein Bild von dem für Hildesheim neuen System machte. „Den Disponenten hilft nunmehr in Stresssituationen ein computergesteuerter Algorithmus – ein weiterer Baustein der Digitalisierung unserer Leitstelle.“

„Die strukturierte Notrufabfrage bringt nicht nur den Menschen in der Stadt, sondern auch im Landkreis Hildesheim Vorteile. Es ist gut zu wissen, dass im Fall der Fälle Automatismen greifen, die zu gezielter und schneller Hilfe führen und die Rettungskette verkürzen. So erhöhen sich die Chancen auf einen guten Verlauf des Einsatzes und damit die Lebensrettung“, so Wißmann.

PR
Fotos: Stadt Hildesheim




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