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Wo sind die Sammler von Apfel, Eichel und Kastanie?

NIEDERSACHSEN. Früher diente vielen Schülerinnen und Schülern das Sammeln von Äpfeln, Kastanien, Eicheln oder Bucheckern dem Aufbessern des Taschengeldes. Pro Sack oder nach Kilogramm wurden sie von den Mostereien oder Förstern und Jägern vor Ort entlohnt. Eine echte win-win-Situation: Kinder und Jugendliche freuten sich über das Geld, die Forstleute über das Futter für die Wildtierfütterung in den starken Wintern. Seit Jahren registriert Andreas Creydt von der Mosterei Creydt aus Dassel, dass weniger Obst von Privatleuten aufgesammelt und angeliefert wird. „Die Bück-Generation stirbt aus“, zieht er für den Obstbereich trotz aller Bekenntnisse der Gesellschaft zu mehr Regionalität sein Fazit, teilt der Landvolk-Pressedienst mit.

Früher wurden die Apfelbäume in Gärten und auf Obstwiesen geschüttelt und gerüttelt, um möglichst schnell die Kartoffelsäcke, Körbe oder Kiepen voll zu bekommen. Das Wochenende über wurden Äpfel gesammelt und montags zur Mosterei gebracht. Sehnsüchtig warteten die Sammler zudem darauf, dass die Obstbäume entlang der Straßen von den Gemeinden zum Sammeln und Pflücken freigegeben wurden. „Heutzutage wird das Interesse dafür immer weniger – solange der Joystick es nicht schafft, die Äpfel in den Silo zu bekommen“, zeigt Andreas Creydt auf. Gerade die Vielfalt der verschiedenen Apfelsorten sei für den Saft wichtig, sie gibt ihm Struktur und Geschmack. Projekte zur Förderung von Streuobstwiesen oder das „Gelbe Band“ des Zentrums für Ernährung und Hauswirtschaft Niedersachsen (ZEHN), sind wichtige Aktionen, um das Bewusstsein der Gesellschaft für Lebensmittelvielfalt und gegen Lebensmittelverschwendung zu schärfen. Mit dem gelben Band kennzeichnen Besitzer und Kommunen Obstbäume, um zu signalisieren, dass dieser Baum kostenlos und ohne Rücksprache für den Eigenbedarf geerntet werden darf. 2020 haben 49 Teilnehmer bei dieser Aktion gut 1.800 Bänder markiert, 2021 haben 75 Teilnehmer mitgemacht, teilt das ZEHN mit.

Kastanien, Eicheln und Bucheckern stehen früher wie heute beim Wild hoch im Kurs, doch Niedersachsens Forstämter füttern die Tiere nicht mehr und haben daher keinen Bedarf an den mühsam gesammelten Kastanien. „Die Winter sind nicht mehr so hart wie früher, sodass das Wild nicht an das natürliche Futter kommen kann, und das Landesjagdgesetz verbietet Rehe oder Wildschweine außerhalb von Notzeiten zu füttern“, erklärt dazu Michael Rudolph, Pressesprecher der Niedersächsischen Landesforsten.

Tierparks hingegen sind aber weiterhin für ihre Tiere auf der Suche nach den schmackhaften Früchten. In Hannover können Kinder an drei Standorten Kastanien und Eicheln für die Winterfütterung im Tiergarten abgeben – in dem rund 110 Hektar großen Erholungswald leben unter anderem Rehe und Wildschweine in freier Natur. Infos unter www.hannover.de . Auch der Wildpark Solling nimmt gerne Spenden entgegen. Dafür stehen am Wildpark in Neuhaus extra Tonnen für Kastanien an der Hütte bereit. Das Wisentgehege/Saupark Springe teilt mit, dass auch sie gerne Futterspenden annehmen, aber Geld können die Kids auch hier nicht verdienen. So bleibt ihnen – wenn sie die Baumfrüchte zu barer Münze machen wollen –nur der Weg über die bekannten Verkaufsportale im Internet. Dort werden Kastanien und Eicheln nicht nur zur Fütterung, sondern auch als natürliches Bastelmaterial gesucht – und teilweise sehr gut bezahlt.

LPD
Foto: Pixabay

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